Kultur: News
 18. November 2002 · Kultur: Christliche Trauerfeier für Augstein, Teil II

Die geplante Gestaltung der Trauerfeier für Rudolf Augstein in der Hamburger Michaelis-Kirche (wir berichteten) hat mittlerweile Christen wie Konfessionsfreie zu Protesten veranlasst.

Während Pastor Adolphsen gegenüber der WELT von einem Staatsakt mit "gottesdienstlichem Charakter" spricht, äußerst er sich gegenüber der Nachrichtenagentur idea wie wir erfuhren anders: Es sei ein Staatsakt, aber kein Gottesdienst. Die Feier würde vom Hamburger Senat ausgerichtet, nicht von der Kirche.

Der Pressereferent des Senats wiederum spielte die Rolle des Senats herunter, das sei von Familie, Verlag und Kirche mitorganisiert, mochte gar nicht das Wort "Staatsakt" hören die Medien hätten ohne Rückfrage eine falsche dpa-Meldung abgeschrieben - , erklärte aber schließlich, dass der Senat gemeinsam mit der Familie die Trauerfeier organisiert. "Diese Trauerfeier ist (auch) staatlich organisiert, aber immer noch kein 'Staatsakt' - egal wer das Wort wie oft benutzt." Eine Wortklauberei, denn ein "Staatsakt" ist offiziell etwas mit großem "Trara mit Nationalhymne etc, Trauerfeier ist etwas bescheidener". Außerdem würde man sich nicht um die Religionszugehörigkeit oder Nichtzugehörigkeit der Ehrenbürger kümmern, da wäre der anzunehmende Ort eben die Kirche. Auch für Hindus, Juden, Moslems, fragt man sich da erstaunt? Wohl kaum, aber für den konfessionslosen Kirchenkritiker!

Soweit so gut. Die für Hamburg zuständige evangelische Nordelbische Landeskirche sprach trotzdem auf Anfrage von einem "Staatsakt" das haben sie sicher auch aus der falschen dpa-Meldung, genau wie der Pastor. Für die Trauerfeier, die keine kirchliche sei, sei lediglich das Gebäude zur Verfügung gestellt worden. Warum will allerdings dann der Pfarrer dort predigen? Auf den entsprechenden Hinweis bezüglich des WELT-Artikels erhielten wir noch keine Antwort...

Die EKD, von uns befragt, konnte unsere Irritation verstehen, wollte sich aber dazu nicht äußern. Allein verantwortlich sei die Nordelbische Kirche.

Die evangelische und evangelikale Presse berichtet mittlerweile in großen Artikeln über Augstein, der kein Kirchenfreund war. Besonders hervor tut sich www.jesus-online.de, durch einen Leserbrief auf die Sache gestoßen: Nach einer Tirade über den "Atheisten Augstein", der "immer und mit ganzer Vehemenz mit beispiellosem Sarkasmus versucht die Kirchen und oft auch deren Taten in den Schmutz zu ziehen", finden sie eine kirchliche Trauerfeier völlig in Ordnung, um die Angehörigen "entweder zu trösten oder was mir näher erscheint, zu warnen". - Da ist sie wieder, die christliche Nächstenliebe.

Mehrere Verbände der Konfessionsfreien, vor allem auch deren Hamburger Ableger, fordern nun in einem gemeinsamen Offenen Brief an den Senat, die Gestaltung der staatlichen Trauerfeier weltanschaulich neutral zu halten, "die das Andenken des Verstorbenen wirklich ehrt und es nicht verhöhnt und auch der Unterschiedlichkeit der Weltanschauungen der Bevölkerung gerecht wird!" (H.J.)

==>zum Offenen Brief

 13. November 2002 · Kultur: Rudolf Augstein: Christlicher Staatsakt für Nicht-Christen

"Zwischen dem alten Buch, das 1972 erschienen ist, und dem neuen liegen 27 Jahre. Weil in dieser Zeit in der Theologie weiterhin viel geschrieben wurde und sich auch in den Kirchen einiges getan hat, ist dieser 'Jesus Menschensohn' fast ein neues Buch geworden ... Spekulationen darüber, dass ich - inzwischen 75 Jahre alt - die viel beschworene Umkehr vorgenommen und mich nun eines besseren besonnen hätte, gar in den 'Schoß der Kirche' zurückkehren würde, dürften sich nach der vorlegenden Lektüre erübrigen. [...] Mit meinem Kirchenaustritt wartete ich bis 1968, bis zum Tode meiner frommen Mutter. Aber die christliche Jacke legt man nicht einfach ab. [...] Während ich nun in den Geschichten des Alten Testaments las, wurde mir klar, ich würde einen Trennungsstrich ziehen müssen: Jahwe, der alte Stammesgott, belohnt, straft, befiehlt, schlägt und rottet aus - nach patriarchalischem Gutdünken. Mein Gott war das nicht. [...] Kritiker meines alten Buches haben mir vorgeworfen, ich hätte mich nicht eindeutig entschieden, ob Jesus nun existiert hat oder nicht. Die Rechthaberei von kirchlicher Seite gipfelte darin, sie kenne eine Welt, die höher sei, als 'das armselige Ding', die 'Welt, in der nichts anderes regiert als die menschliche Vernunft'. Augstein, so einer der vielen Vorwürfe, kenne nur den 'historischen Jesus'; und da ich der wahren Gestalt des Gottessohnes fern stünde, könne ich seine Taten auch nicht richtig interpretieren. Richtig ist, die christlichen Grundwahrheiten der beiden großen Religionsgemeinschaften glaubte und glaube ich nicht in der vorgeschriebenen Form - auf mich ist da nicht zu zählen. Entscheidend ist nach wie vor, der Mensch Jesus, wenn es ihn gab, hat mit der Kunstfigur des Christus nichts zu tun. [...] Da fühlt man sich herausgefordert gegenzusteuern, weil nach wie vor umgebogen und als christliche Botschaft verfälscht wird, was sich um den sogenannten Jesus Christus rankt. [...] Den wundersamen Christus gibt es aber nur noch für eine immer schneller immer kleiner werdende Minderheit von Glaubens-Christen. Nicht nur glauben die meisten nicht mehr, was die Kirchen lehren; kaum jemand weiß, was in der Bibel steht, und kaum jemand kümmert sich darum, was von ihm zu glauben verlangt wird. Die Bibel ist den Menschen suspekt geworden, weil die sogenannten Seelenhirten sie so lange ausgequetscht und geschüttelt haben, bis für jedermann bei jederlei Bedarf ein Pflästerchen oder ein Trostbonbon, und bis für jeden, auch politischen Bedarf, die passende Auslegung gefunden wurde. [...]"

Hamburg, im September 1999, Rudolf Augstein [1]

Für Rudolf Augstein findet am 25. November im Hamburger Michel ein Staatsakt statt. Der zu weltanschaulicher Neutralität verpflichtete Staat verabschiedet den konfessionslosen Kirchen- und Christentumskritiker christlich. Mit Pfarrer. Mit christlicher Predigt. Mit Brahms "Requiem". In einer Kirche.

Es hatte Klärungsbedarf darüber gegeben, in welchem Rahmen des verstorbenen Publizisten gedacht werden soll. Dabei mussten die Interessen der Familie und des Verlages ebenso berücksichtigt werden wie die des Senats und des Kirchenvorstandes, berichtet der Pfarrer der Michaelis-Kirche in Die Welt. Man wundert sich, wer alles bei der Gestaltung eines Staatsaktes mitbestimmen darf und sucht vergebens den Verstorbenen in dieser Liste.

"Nun steht fest, dass die Trauerfeier einen gottesdienstlichen Charakter haben wird", sagte der Pfarrer des Hamburger Michels. In seiner Predigt will er vor allem auf die christliche Sicht über Sterben, Tod und Auferstehung eingehen. "Es soll deutlich werden, dass dieser Staatsakt in einer Kirche stattfindet." [2]

[1] aus dem Vorwort in: Rudolf Augstein, Jesus Menschensohn, Hoffmann und Campe, Hamburg, 1999
[2] Die Welt, 13.11.2002

 17. September 2002 · Kultur: MDR-Fernsehen: Kindstötungen bei Diakonissen?

Heute, MDR-Fernsehen, 22.05 Uhr:

Die Diakonissen und die Kindersärge
Das Verbrechen von Bad Blankenburg

Bad Blankenburg in Thüringen: Bis vor kurzem kursierte in der Kleinstadt immer wieder das Gerücht, im dortigen Pflegeheim für Behinderte sei es vor 1945 zu Grausamkeiten gekommen. Die derzeitige Heimleitung entschied sich, den Gerüchten auf den Grund zu gehen. Sie stieß auf Beweise für die Tötung von Kindern, verübt durch Diakonissen.
Die Schwestern sollen im Verlauf von etwa zehn Jahren mehr als hundert Behinderte verhungert und an unbehandelten Krankheiten sterben gelassen haben. Immer deutlicher wurde bei den Nachforschungen, dass die Tötungen nicht direkt mit dem nationalsozialistischen Euthanasieprogramm zu tun hatten. Die Diakonissen müssen aus eigenem Antrieb gehandelt haben.
Die meisten Akten sind vor Kriegsende vernichtet worden. Und in Bad Blankenburg erinnern sich nur wenige an diese Zeit oder wollen sich dazu äußern. Dabei florierten damals in der Kleinstadt die Sargtischlereien, und die Schwestern betrieben im Zweiten Weltkrieg einen intensiven Schwarzhandel mit Lebensmitteln. Zur Zeit ermittelt die Staatsanwaltschaft in Gera. Das Ergebnis soll im September vorliegen. Der Film von Uwe Sauermann dokumentiert, was damals in Bad Blankenburg geschah und versucht zu klären, warum mehr als zehn Jahre lang niemand gegen die Diakonissen einschritt. (Zit. aus: www.mdr.de)

 24. April 2002 · Kultur: Gottlosenstammtisch in Köln

Einigen Nicht-Gläubigen ist aufgefallen, dass es im Großraum Köln zur Zeit kein regelmäßiges Treffen der Gottlosen gibt. Dies soll sich ab sofort ändern!

Am Mittwoch, den 15. Mai 2002 um 18.00 Uhr findet im Früh-Brauhaus am Roncalliplatz in Köln der erste Gottlosenstammtisch statt. Dort ist Tisch 11 in der Glockenstube (2. Etage innerhalb des Frühbrauhauses) reserviert (als Kennzeichen liegt am Tischrand das dicke, rote Buch "Geschichte des Atheismus").

Das Frühbrauhaus befindet sich 2 Minuten vom Hauptbahnhof entfernt: wer um den Dom herumgeht, befindet sich auf dem Platz gegenüber dem Römisch-Germanischen Museum, schräg gegenüber dem Museum ist das Frühbrauhaus.

Kontakt: Notker Bakker. Er ist Regionalbeauftragter des IBKA e.V. für das Gebiet Nordrhein.

Weitere regelmäßige Treffen religionsfreier Menschen finden sich in unseren Veranstaltungshinweisen. Dort werden auch die nächsten Termine des Kölner Gottlosenstammtisches bekannt gegeben. (H.J.)

 13. Februar 2002 · Kultur: Erwin-Fischer-Preis 2002 an Taslima Nasrin

Der Internationale Bund der Atheisten und Konfessionslosen e.V. (IBKA) hat heute bekannt gegeben, dass die bengalische Schriftstellerin Taslima Nasrin die diesjährige Erwin-Fischer-Preisträgerin ist.

Taslima NasrinFrau Dr. Nasrin ist in ihrem Herkunftsland Bangladesh für Weltanschauungsfreiheit eingetreten. Sie hat die Diskriminierung der hinduistischen Minderheit durch die muslimische Mehrheit kritisiert, sie hat sich für die Rechte der Frauen eingesetzt und offen zu einer atheistischen Position bekannt. Gegen Taslima Nasrins Roman 'Lajja' (Schande) wurde wegen "Blasphemie" am 24. September 1993 die Fatwa verhängt, ein Mordaufruf des fundamentalistischen "Rat der Soldaten des Islam", - eine Verfolgung, die heute noch besteht. Frau Nasrin lebt daher im politischen Exil, zunächst in Schweden und Deutschland , heute in Frankreich. Informationen über das Leben und Werk von Frau Nasrin und ihre bisher erhaltenen Preise sind auf einer gewidmeten Website nachlesbar: http://humanists.net/nasrin/

Der Erwin-Fischer-Preis ist nach dem verstorbenen Rechtsanwalt Erwin Fischer benannt, der sich in besonderer Weise für die Menschenrechte und die "Trennung von Staat und Kirche" eingesetzt hat. Mehr Infos ... or in English.

Im Jahr 2001 ging der Preis an Dr. Karlheinz Deschner.

Der Preis wird - nun zum dritten Mal - am 21. September 2002, 20.00 Uhr, im Jugendgästehaus Speyer, Geibstr. 5, in einer Festveranstaltung verliehen. Eingebettet ist die Preisverleihung in eine Internationale Konferenz und öffentliche Mitgliederversammlung des IBKA vom 20.-22. September 2002. Laut IBKA haben bereits Repräsentanten folgender Organisationen ihre aktive Teilnahme - auch mit Vorträgen - zugesagt: Atheist Alliance International, Féderation Nationale de la Libre Pensée, Freidenkerbund Österreich, Dachverband freier Weltanschauungsgemeinschaften, Humanistischer Verband Deutschlands.

Gäste sind willkommen, um frühzeitige Anmeldung beim IBKA wird gebeten.

Weitere Veranstaltungen finden sich ständig aktualisiert unter www.humanist.de/veranstaltungen (H.J.)

 18. Januar 2002 · Kultur: Vom Belügen der Leute

Aktueller Fernsehtipp:

Sonntag, 20. Januar 2002, 9.15 Uhr, SWR

Dr. Karlheinz Deschner: Vom Belügen der Leute
Religionskritisches, Christentumskritisches und andere starke Stücke
[mehr]

Karlheinz Deschner gibt seit heute eine eigene Homepage heraus:
www.deschner.info

Zeitgleich ist der 7. Band der "Kriminalgeschichte des Christentums" über das 13. und 14. Jahrhundert erschienen. (H.J.)

 15. Januar 2002 · Kultur: Inquisition

Medientipp:

Themenabend bei ARTE am 17. Januar 2002:

INQUISITION: Im Namen des Dogmas

 4. Januar 2002 · Kultur: Treffen religionsfreier Menschen

Bei unseren Veranstaltungshinweisen gibt es seit einiger Zeit eine Extra-Seite für die "Regelmäßigen Treffen religionsfreier Menschen". Ganz neu sind nun auch die virtuellen Treffen - sprich: Debatten, Foren, Mailinglisten - aufgenommen. Bitte ergänzt diese sicher unvollständige Liste mit einer Mail an uns. (H.J.)

 7. Dezember 2001 · Kultur: Antiklerikale Tage Duisburg

Antiklerikale Tage in Duisburg:

Universität Gesamthochschule Duisburg
Raum LF 030
LF-Gebäude
Lotharstrasse 65



Dienstag, 11. Dezember, 19.30 Uhr

"Von Kreuzzügen, Kirche und Krieg: Mit Kardninal Meisner und Harry Potter unterwegs an den Hindukush"

Expeditionsbericht mit Klaus W. Vowe (Freidenkerverband und Amerikanist)



Mittwoch, 12. Dezember 2001, 19.30 Uhr

"Wofür wird Kirchensteuer verwendet? Die Legendenbildung der Kirchen"

Vortrag: Heike Jackler (Mitarbeiterin bei www.kirchensteuer.de)



Für Donnerstag ist ein Vortrag des Arbeitskreises Kritische MigrantInnen zum Thema Islam noch in der Planung.



Veranstalter/Info:
SchwuBiLe, AStA-Kulturreferat (Reinhard Pastoor und Claudia Temme) und der AK Kritische MigrantInnen an der Uni GH Duisburg

Weitere Veranstaltungstipps

 23. November 2001 · Kultur: TV-Tipp: Mitternachtsspitzen

Gestern lief im WDR-Fernsehen mal wieder die Kabarett-Sendung "Mitternachtsspitzen" mit Jügen Becker und Gästen. Dabei bekommt die Kirche zwar regelmäßig ihr Fett weg, aber diesmal war es besonders sehenswert.

Der Kabarettist Henning Veske forderte die Einführung der Trennung von Staat und Kirche in Deutschland. Beginnend mit dem SPD-Parteitag, der als ersten Tagesordnungspunkt einen Gottesdienst aufführte, und weiter zum Religionsunterricht in den Schulen prangerte Venske etliche Missstände an. Absolut zuhörenswert.

Wiederholung der Sendung am Montag/Dienstag,26./27.11.01, 0.00 Uhr.
(H.J.)

 26. Oktober 2001 · Kultur: Medientipps

Medientipps & mehr: Update

 17. August 2001 · Kultur: Veranstaltungen

Update: Veranstaltungshinweise

 27. April 2001 · Kultur: Das Unheilige in der Heiligen Schrift

So treiben wir den Winter aus durch unsre Stadt zum Tor hinaus
mit sein'm Betrug und Listen, den rechten Antichristen.

Wir stürzen ihn von Berg und Tal, auf dass er sich zu Tode fall
und uns nicht mehr betrüge durch falsche Lehr und Lüge.

(Die ersten zwei Strophen eines Liedes aus "Des Knaben Wunderhorn" (1806) - und gefunden in "Musik um uns", Musikbuch ab Klasse 5, eingesetzt in einem Gymnasium in NRW im Jahre 2001)

Veranstaltungstipps: Update

Die Humanistische Union (HU) in Marburg lädt am Donnerstag zur Diskussions- und Informationsveranstaltung mit dem Göttinger Theologen Prof. Dr. Gerd Lüdemann aus Göttingen ein. Dabei hält er einen Vortrag über "Das Unheilige in der Heiligen Schrift. Die dunklen Seiten der Bibel".

Die Bibel gilt als Gottes Wort, als gute Nachricht von Gottes Barmherzigkeit. Wie aber steht es mit jenen Teilen der Bibel, die gerade nicht von Gottes Barmherzigkeit zeugen, sondern seinen Befehl enthalten, ganze Völker - wie das der Kanaanäer im Alten Testament - auszurotten? Was soll man zum Antijudaismus und zu solchen Stellen im Neuen Testament sagen, die Andersgläubige verteufeln?

Den Fragen nach den dunklen Seiten der Bibel geht Gerd Lüdemann nicht nur am Donnerstag rücksichtslos auf den Grund. Die Konföderation evangelischer Kirchen in Niedersachsen hat die Lehre von Theologie-Professor Lüdemann gegenüber dem Wissenschaftsminister Oppermann unter Berufung auf den Loccumer Vertrag nachträglich beanstandet. Daraufhin hat ihm der Präsident der Universität Göttingen eine Assistentenstelle und Sachmittel sowie die Prüfungsberechtigung entzogen. Professor Lüdemann hat die Universität Göttingen verklagt. Die Klage wird zur Zeit vor dem Verwaltungsgericht Göttingen verhandelt. Ein kirchlich genehmer Ersatzprofessor (Besoldungsstufe C 4) ist an Lüdemanns Stelle bereits berufen worden. (H.J.)

 15. April 2001 · Kultur: Contact

Nicht vergessen: Heute abend um 21:45 im ZDF kommt Contact, ein Science-Fiction-Film über das SETI-Projekt (Suche nach außerirdischer Intelligenz mit Radioteleskopen) mit Jody Foster. Der Film ist angelehnt an das gleichnamige Buch des Astronomen Carl Sagan und ist ein unbedingtes Muss für jeden wissenschaftlich interessierten Menschen. Siehe auch Rezension von C.B. (EMÖ)

 30. März 2001 · Kultur: Katholische Adoptionsvermittlungen im Zwielicht

Medientipps & mehr: Update

Am kommenden Dienstag, 22.45 Uhr, nimmt das ZDF die Adoptionspraktiken genauer unter die Lupe: "Nachschub aus dem Waisenhaus - Katholische Adoptionsvermittlung im Zwielicht".

Nach ZDF-Angaben ist eine der offiziellen Adoptionsvermittlungsagenturen, der katholische Verein "Pro Infante", erheblich in Misskredit geraten. Einige Adoptionseltern haben festgestellt, dass Papiere voller Ungereimtheiten sind. Wurden "ihre" Kinder aus Indien oder Kenia ohne Einverständnis der leiblichen Mütter zur Adoption nach Deutschland vermittelt?

Auch in Bolivien ist eine katholische Adoptionsvermittlung aus Deutschland tätig, der Sozialdienst katholischer Frauen (SkF). In der Bergarbeiterstadt Oruro im Andenhochland sollen durch Bestechung Kinder aus Heimen vermittelt worden sein. So steht es in einer Klageschrift der Staatsanwaltschaft Oruro, die Vorwürfe gegen die jahrelange Vertreterin des SkF in Bolivien erhebt.

Die Recherchen zu der Reportage ergaben: Viele Kinder in der Dritten Welt werden zu schnell zur Adoption ins Ausland vermittelt. Oft würde es genügen, die leibliche Mutter vorübergehend zu unterstützen, um ihr ein Leben mit ihrem Kind zu ermöglichen. Doch die katholischen Waisenhäuser und Vermittlungsagenturen neigen offenbar zu der Einschätzung, ein Leben bei einer christlichen Familie in Deutschland sei allemal besser als in Armut bei der eigenen Mutter. (H.J.)

 16. März 2001 · Kultur: Oh Gott, noch 'ne Pfarrerserie...

Medientipps & mehr: Update

Am Samstag Mittag, 12.10 Uhr, startet VOX eine neue Pfarrerserie aus den USA: "Ein ganz normaler Heiliger". Der Original-Titel lautet übrigens "Nothing Sacred" - das hört sich doch schon ganz anders an. Und so ist die Serie auch in gewissen Kreisen recht umstritten. In den USA waren die Katholiken empört und die Kritiker begeistert. Vor einigen Monaten hatte VOX übrigens den Start der Serie kurzfristig abgesetzt. Nun kommt sie doch, allerdings auf eine publikumsarme Sendezeit verschoben.

In der ersten Folge "Proofs For The Existence Of God" - sorry, aber die deutschen Titel sind einfach nichtssagend ("Intime Beichten") - muss sich der Pfarrer u.a. auf eine Predigt zum Thema Gottesbeweise vorbereiten. (H.J.)

 14. März 2001 · Kultur: Veranstaltungshinweise

Veranstaltungshinweise: Update

 23. Februar 2001 · Kultur: Junge Nonnen bei Türk

Medientipps & mehr: Update

Am Dienstag hat Andreas Türk in seiner Talksendung um 15.00 Uhr junge Nonnen zu Gast. Einige wenige gibt es wohl immer noch. Titel der Sendung: "Junge Nonnen berichten - Darum habe ich mich für Gott entschieden".

Karlheinz Deschner hat einmal treffend gesagt: "Es gibt kaum einen traurigeren Anblick als eine junge Nonne - ausgenommen eine alte." Womit er durchaus Recht hat, wie die Erlebnisse einer älteren, ehemaligen Ordensangehörigen zeigen, über die 1999 die Sendung Kontraste berichtete.

Dort ging es darum, dass der abtrünnigen Nonne im Alter die Sozialhilfe droht, weil der Orden nicht für ausreichende Rentenversicherung sorgte - und das, obwohl die Dame lange Zeit als Religionslehrerin an einer öffentlichen Schule gearbeitet hat und der Staat dafür den Orden bezahlte.

Die Nonne: "Der Wert, so die Bedeutung meiner Person als Mitschwester, als Schwester, die dreiundvierzig Jahre in dieser Gemeinschaft gearbeitet hat. Was war ich? Eine Null, ein... ein Dreck war ich..."

Der vollständige - sehr lesenswerte - Text der damaligen Reportage hat die Humanistische Aktion veröffentlicht: Altersversorgung bei Nonnen. Nach dem Austritt droht die Sozialhilfe. (H.J.)

 9. Februar 2001 · Kultur: Immer nur Weihnachten...

Medientipps & mehr: Update

Am Mittwoch, 22.25 Uhr, zeigt 3 SAT Heinrich Bölls Satire "Nicht nur zur Weihnachtszeit" aus dem Jahr 1970. Dafür schrieb Böll zum ersten Mal ein Originaldrehbuch für das Fernsehen. Bei der Schilderung dieses permanenten Christfestes fehlt es nicht an skurrilen Einfällen. Damit attackiert Böll die verkitschte, sinnentleerte und am Äußerlichen verhaftete Weihnachtsfeier sowie die seelen- und geistlose Automatisierung und Schematisierung gesellschaftlicher Rituale.

 2. Februar 2001 · Kultur: Es begann mit einer Lüge

Medientipps & mehr: Update

Am Donnerstag, 8. Februar um 21.45 Uhr, zeigt die ARD eine Doku der Monitor-Autoren Angerer und Werth über "Deutschlands Weg in den Kosovo-Krieg". Sie sind sich sicher: "Es begann mit einer Lüge."

24. März 1999: Im italienischen Piacenza starten deutsche Kampfjets gegen Jugoslawien. Es ist der erste Kriegseinsatz deutscher Soldaten nach dem Zweiten Weltkrieg - ein Tabubruch. Bundeskanzler Schröder erklärt im Fernsehen: "Wir führen keinen Krieg, aber wir sind aufgerufen eine friedliche Lösung im Kosovo auch mit militärischen Mitteln durchzusetzen."

Nur aus einem Grund durften deutsche Soldaten am Krieg teilnehmen und der hieß: Abwendung einer humanitären Katastrophe. Doch war diese - vor dem Bombardement der NATO - im Kosovo bereits eingetreten? Gab es die ethnischen Säuberungen wirklich schon vor dem Krieg? Heute sagt Norma Brown, enge Mitarbeiterin von OSZE-Chef William Walker: "Die humanitäre Katastrophe im Kosovo gab es erst durch die NATO-Luftangriffe. Dass diese die Katastrophe auslösen würde, wussten alle bei der NATO, der OSZE und bei unserer Beobachter-Gruppe." Der Krieg im Kosovo - geführt im Namen der Menschlichkeit - begann mit einer Lüge.

Den Autoren soll es gelungen sein, hochrangige Militärs bei Bundeswehr und NATO zu befragen, die an den Kriegsvorbereitungen unmittelbar beteiligt waren. Sie sprachen mit Beratern der US-Regierung, dem damaligen NATO-Sprecher Jamie Shea und mit Verteidigungsminister Rudolf Scharping. Vor allem aber unternahmen sie aufwendige Recherchen vor Ort im Kosovo. Herausgekommen ist ein Lehrstück in Sachen Kriegspropaganda - made in germany. "Im Kampf um die öffentliche Meinung spielte Scharping eine entscheidende Rolle", bescheinigt NATO-Sprecher Shea dem deutschen Minister. Zahlreiche neue Zeugenaussagen und bislang unveröffentlichte geheime Lageberichte aus Scharpings Behörde machen wichtige "Beweisstücke" zur Farce. Das gilt für das angebliche Konzentrationslager in Pristina, das "Massaker" von Rugovo und den sogenannten Operationsplan Hufeisen, der kein serbisches Dokument, sondern in Wahrheit ein Produkt des Führungsstabes im deutschen Verteidigungsministerium ist. (H.J.)

[Quelle: www.ard.de]

 26. Januar 2001 · Kultur: Medientipps: Update

Medientipps & mehr: Update

 19. Januar 2001 · Kultur: Themenabend zur Evolution

Medientipps & mehr: Update

Am Donnerstag widmet ARTE ab 20.45 Uhr einen Themenabend der Entwicklungsgeschichte des Menschen. "Stammen wir vom Affen ab?" heißt der Titel des fast vier Stunden langen Abends, an dem u.a. Archäologen, Ethnologen und Genetiker ihre jüngsten Forschungsergebnisse erläutern. (H.J.)

 12. Januar 2001 · Kultur: Wer verdient am Krieg?

Medientipps & mehr: Update

Am Mittwoch, 20.45 Uhr, zeigt ARTE eine Dokumentation über "Die wahre Geschichte des Golfkrieges". Interessant ist die Sendung gerade auch in Bezug auf die aktuelle Diskussion über die Gefährlichkeit der Uran-Munition.

In dieser von unabhängigen amerikanischen Filmemachern gedrehten Dokumentation werden die Hintergründe des Konflikts und die verschiedenen Interessen recherchiert, die zum Ausbruch des Krieges führten. Gezeigt werden auch die schweren Krankheiten, denen irakische Zivilisten und amerikanische Kriegsveteranen zum Opfer fielen (und die wahrscheinlich durch das bei der Herstellung amerikanischer Munition verwendete angereicherte Uran ausgelöst werden).
Beleuchtet wird auch die historische Entwicklung der Beziehungen zwischen dem Westen und dem Mittlerem Osten, bei denen die Kontrolle über die Erdölvorkommen und - in geringerem Maße - der Waffenhandel stets eine wichtige Rolle spielen. Der Film untersucht die strategischen und finanziellen Gewinne für die Sieger des Konflikts, d. h. vor allem für die USA.

Zahlreiche Zeitzeugen werden befragt, so der irakische Erdölminister, der jordanische Außenminister, im Exil lebende irakische Regimegegner, General Schwarzkopf, der amerikanische Generalbundesanwalt, der Direktor des Irak-Programms im US-Außenministerium, Experten des Erdöl- und Waffenmarktes und Journalisten. Indem die auch heute noch bestehenden wirtschaftlichen Interessen verdeutlicht werden, gelingt eine bestechende Gegendarstellung zu den offiziellen Diskursen, die ein ganz anderes Licht auf den Ausbruch dieses Krieges und dessen Konsequenzen wirft. [Zit. aus: www.wdr.de] (H.J.)

 7. Januar 2001 · Kultur: Veranstaltungshinweise: Update

Veranstaltungshinweise: Update

 5. Januar 2001 · Kultur: Berg der heiligen Zwietracht

Medientipps und mehr: Update

Schwerpunkt der nächsten Woche ist der Konflikt in Nahost. Den jüdischen Siedlern hat ihr Gott das Land versprochen, aber auch die Moslems wollen die Stätte, wo einst Mohammed auf seinem Schimmel gen Himmel gereist ist, nicht den Ungläubigen überlassen. Aufgestachelt durch ihre heiligen Schriften bedrohen die Strenggläubigen beider Seiten alle, die zu Kompromissen bereit sind.

Am Montag, 20.05 Uhr, fragt der Radiosender WDR 3 "Berg der heiligen Zwietracht. Klagemauer und Tempelberg - Wem gehören die heiligen Stätten in Jerusalem?"

Am Dienstag und Donnerstag, jeweils ab 20.45 Uhr, beschäftigt sich ARTE abendfüllend mit der Nahost-Krise. (H.J.)

 29. Dezember 2000 · Kultur: Der Herr der Finsternis

Medientipps & mehr: Update

In der nächsten Woche wiederholt der Fernsehsender Phoenix die sehenswerte Doku-Reihe "Herr der Finsternis" (Dienstag bis Donnerstag, jeweils 22.15 Uhr). Die Dokumentation beschäftigt sich mit Teufel- und Höllenvorstellungen in der Geschichte der christlichen Religion, mit ihren Auswirkungen wie die Hexenverfolgungen und fragt nach, ob in der modernen Zeit der Teufelsglaube überwunden ist. (H.J.)

 22. Dezember 2000 · Kultur: Die Geschichte des Jesuitenordens

Medientipps & mehr: Update

Am Mittwoch, Donnerstag und Freitag, jeweils 15.15 Uhr, sendet die ARD eine Dokumentationsreihe über die Geschichte des einflussreichen und umstrittenen Ordens der Jesuiten. Die Doku beginnt Anfang des 16. Jahrhunderts, als sittenlose und geldgierige Päpste in Rom regierten, und endet im 20. Jahrhundert, in dem der Jesuitenorden immer noch großen Einfluss auf Vatikan und Politik hat.

Der Orden, der sich zu Armut verpflichtet hatte und doch so reich wurde, ist von dem "heiligen" Ignatius von Loyola gegründet worden, der absoluten Gehorsam forderte: "... zu glauben, wie man es in Glaubensfragen zu tun pflegt, dass alles, was der Superior anordnet, Anordnung Gottes unseres Herrn und sein heiligster Wille ist: und blindlings, ohne irgendeine Untersuchung, mit Schnelligkeit und Bereitwilligkeit des Willens zu gehorchen, der von dem Wunsch erfüllt ist, alles, was befohlen wird, auszuführen." Die Ordensregel 36 schreibt den Mitgliedern vor, sich durch ihre Oberen tragen und leiten zu lassen, als wären sie ein Leichnam, der sich überall hintragen und auf jede Weise behandeln lässt. [1] (H.J.)

[1] Alighiero Tondi, Die Jesuiten. Bekenntnisse und Erinnerungen. Aufbau-Verlag 1961.

Website des Jesuitenordens: www.jesuiten.de

 15. Dezember 2000 · Kultur: Mythologische Hintergründe des Nationalsozialismus

Medientipps & mehr: Update

Am Montag, 23.15 Uhr, zeigt der WDR die Doku "Schwarze Sonne - Mythologische Hintergründe des Nationalsozialismus". Der Film versucht, Hintergründe des Nationalsozialismus aufzuhellen, die in Deutschland noch weitgehend unbekannt sind: das weitverzweigte esoterische Gedankengut sowohl der Vordenker als auch der Vollstrecker des arischen Weltherrschaftswahns. Okkulte Phantasien über versunkene Kontinente wie "Thule" und "Atlantis" als angebliche Urheimat der Germanen oder die Deutung der Runen als älteste Schrift der Welt führten zu einem Überlegenheitsgefühl. Vor allem die SS, die sich als "heiliger Orden" verstand, holte sich aus solchen mystischen Spekulationen die Legitimation zum Massenmord. Himmler sah ihre Aufgabe in der Bewahrung des "arischen Lichtes" gegen die "jüdischbolschewistische Finsternis": Mythenforschung, Sakralarchitektur, Lichtdome, Fackelzüge und Symbolik dienten nicht nur der "Propaganda", sondern der suggestiven Vertiefung eines quasireligiösen Missionsgedankens.

Natürlich hat die Ideologie des Nationalsozialismus sich nicht nur aus der Esoterik, sondern auch aus dem Christentum gespeist. Der Holocaust wäre ohne den heftigen Antisemitismus der Kirche wahrscheinlich so nicht möglich gewesen. Über die christlichen Wurzeln des Nationalsozialismus klärt eine Dokumentation in unserem Projekt "Kriminalmuseum" auf. (H.J.)

 8. Dezember 2000 · Kultur: Weltformel

Medientipps & mehr: Update

Am Sonntag, 19.30 Uhr, setzt das ZDF seine Reihe "Geheimnisse unseres Universums" fort, diesmal mit der "Suche nach der Weltformel". Der Urknall stand am Anfang unseres Universums. Die heute existierende, vielfältige Welt entstand so aus einer einzigen punktförmigen Energiekonzentration. Wenn man eine richtige Beschreibung dieses Stadiums unseres Universums findet, dann könnte man aus dieser "Weltformel" alle Gegebenheiten unserer heutigen Welt ableiten. [Zit. aus: www.zdf.de]

 3. Dezember 2000 · Kultur: Es weihnachtet sehr ..

Dieser Comic-Strip zeigt, dass Weihnachten gar kein so christliches Fest ist, wie allgemein angenommen (Englisch). Der Stil ist angelehnt an die berüchtigten religiös-fundamentalistischen Jack Chick Comics (z.B. "Menschen und Dinosaurier lebten gleichzeitig"). (EMÖ)

News-Archiv
6 | 5 | 4 | 3 | 2 | 1

Copyright © 1999, Der Humanist