Brief an eine „Lutherkirche”

von Heike Jackler

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich bin eine ehemalige Konfirmandin der Lutherkirche und habe nun folgende Zitate Luthers und Begebenheiten aus seinem Leben gelesen:

"Es ist gar nicht einmal ausgemacht, ob wirklich alle Seelen aus dem Fegefeuer herauswollen."
Luther ließ sich vom Kurfürsten das leerstehende Kloster schenken, das er zu einem stattlichen Anwesen ausbaute.
Luther schrieb: „Teure Vermahnung an alle Christen, sich zu hüten vor Aufruhr und Empörung".
Er sagte: " Die Fürsten dieser Welt sind Götter, das gemeine Volk ist der Satan." und
"Es ist besser, wenn Tyrannen hundert Ungerechtigkeiten gegen das Volk verüben, als dass das Volk eine einzige Ungerechtigkeit gegen die Tyrannen verübt."
Außerdem soll er gesagt haben: "Ich bin der Meinung: es ist besser, dass alle Bauern erschlagen werden als die Fürsten und Obrigkeiten und zwar deshalb, weil die Bauern ohne Gewalt von Gott das Schwert nehmen: Deshalb gebührt den Bauern keine Barmherzigkeit, keine Geduld, sondern der Zorn und Unwillen Gottes."
Er rief auch den Adel auf, die ausgebeuteten Bauern "zu würgen, zu stechen, heimlich und öffentlich, wer da kann, wie man einen tollen Hund totschlagen muß."
Ein weiteres Zitat: "Prediger sind die größten Totschläger..... Ich, Martin Luther, hab im Aufruhr alle Bauern erschlagen, denn ich hab sie heißen totschlagen; alle ihr Blut ist auf meinem Hals. Aber ich weise es auf unseren Herrn und Gott, der hat mir das zu reden befohlen."
Er soll auch geglaubt haben, dass Frauen mit einem männlichen, dämonischen Wesen im Schlaf sexuell verkehrten, und auch deren Verbrennung als Hexen auf dem Scheiterhaufen befürwortet haben.
Während die Bauern starben, feierte er ein rauschendes Hochzeitsfest.
Zum Tod durch Schwangerschaft soll er gesagt haben: "Der Tod im Kindbett ist nichts weiter als ein Sterben im edlen Werk und Gehorsam Gottes."
Auch zur Kindererziehung soll er sich geäußert haben: "Bei der Kindererziehung muss der Apfel neben der Rute liegen." und "Ein toter Sohn ist besser als ein ungezogener."
Als Deutschland 1530 kurz vor einem Glaubenskrieg stand, blieb er kompromisslos. Er soll gesagt haben: "Unsere Sache ist es nicht, künftige Kriege vorauszusehen, sondern einfältig zu glauben und zu bekennen. Wird ein Krieg draus, so werde er draus, wir haben genug getan."
Auch in einer anderen Sache soll er kompromisslos gewesen sein. Er hat den Juden zwar zugestanden, nicht am Tod Jesu Schuld zu sein. Aber als die Juden sich nicht zum Christentum bekehren wollten, sondern gar einige versuchten, ihn zum Judentum zu bekehren, wurden er zornig. Ich hörte, er schrieb ein Buch „Von den Juden und ihren Lügen", ein etwa hundert Seiten umfassendes Werk, in dem er beinahe die gesamte Palette an Anschuldigungen gegen die Juden vorbrachten, wie man sie im Mittelalter kannte.
Aus dem Buch:
"Ich hatte mir wohl vorgenommen, nicht mehr, weder von den Juden noch wider die Juden zu schreiben. Aber weil ich erfahren, das die elenden heillosen Leute nicht aufhören auch uns, das ist die Christen an sich zu locken, hab ich das Buch ausgeben lassen. Damit ich unter denen gefunden werden, die solchem giftigen Gebaren der Juden Widerstand geleistet und die Christen gewarnt haben, sich vor den Juden zu hüten. Ich hatte nicht gemeint, dass die Christen sich von den Juden narren lassen, in ihr Elend und Jammer zu treten. Aber der Teufel ist der Welt Gott, und wo Gottes Wort nicht ist, hat er gut machen." "Was wollen wir Christen nun tun mit diesem verworfenen, verdammten Volk der Juden?"
"Erstens soll man ihre Synagogen oder Schulen mit Feuer anstecken und, was nicht verbrennen will, mit Erde überhäufen und zuschütten. Zum anderen soll man auch ihre Häuser zerbrechen und zerstören. Zum dritten soll man ihnen alle ihre Gebetbücher nehmen. Zum vierten soll man ihnen verbieten, bei uns öffentlich Gott zu loben, zu danken, zu beten, zu lehren, bei Verlust des Leibes und Lebens. Fünftens soll man den Juden das freie Geleit auf der Straße ganz untersagen. Sechstens soll man ihnen den Wucher verbieten und ihnen alle Barschaft und Kleinodien in Silber und Gold nehmen. Siebtens soll man den jungen, starken Juden und Jüdinnen Flegel, Axt, Spaten, Rocken und Spindel in die Hand geben und sie ihr Brot verdienen lassen im Schweiße des Angesichts ..."
"Juden sind Kinder des Teufels, die stehlen, morden und ihren Kindern das gleiche beibringen."
Haben die Nazis sich mit Recht auf Luther berufen? Auch ein Drittel der evangelischen Pastoren Deutschlands in der Nazi-Zeit ließen sich von der nationalsozialistischen Botschaft überzeugen, las ich. In diesem Sinne wurde 1932 auch die Glaubensbewegung Deutscher Christen DC gegründet.
Luther soll bis zu seinem Lebensende immer wieder die Juden beschimpft, aber auch gegen Paffen, Türken, Sektierer gewettert haben.
Er war davon überzeugt, dass der Teufel immer mehr Einfluss auf die Erde bekommen werde. Wie schon viele vor ihm, verkündeten auch er den baldigen Weltuntergang. Er hatte auch ein genaues Datum parat, nämlich Ostern 1545. Na ja, wir leben immer noch.

Nun meine Fragen:

1) Stimmen die angegebenen Zitate und weiteren Angaben, die ich erfahren habe?

2) Wenn es stimmt, wann benennen Sie ihre Kirchengemeinde nicht mehr nach Luther, sondern überlegen sich einen passenderen Namen?

Ich muss sagen, ich war sehr entsetzt, als diese Dinge über Martin Luther las. So etwas haben wir weder in der Schule noch im Konfirmandenunterricht gelernt. Ich schäme mich in einer "Luther"-Kirche konfirmiert worden zu sein.
Über eine Antwort würde mich mich sehr freuen.

Mit freundlichen Grüßen


Zur Antwort der Lutherkirche.


Copyright 1999, Der Humanist