Ein Interview mit Martin Luther

oder

Was Sie schon immer über Martin Luther wissen wollen,
aber nie Ihren Pfaffen zu fragen wagten


Die Evangelische Kirche feiert Martin Luther als ihren großen Kirchenstifter. Im ganzen Lande sind Gemeinden nach ihm benannt. Wir wollten wissen: Hat diese starke Persönlichkeit auch in der heutigen Zeit uns etwas zu sagen? Heike Jackler machte sich für Gegen den Strom auf, um mit Martin Luther ein Interview zu führen. Mittlerweile ist das ja via Channeling kein Problem.


GdS:

Ehrwürdiger Vater Martin Luther, Magister der Freien Künste sowie Doktor der heiligen Theologie und ordentlicher Professor; eine ihrer 95 an die Kirchentür angeschlagenen Thesen lautete: Der Unterschied zwischen Himmel, Fegefeuer und Hölle ist nur gering. Während im Himmel Sicherheit herrscht, ist in der Hölle vollkommene, im Fegefeuer nahe Verzweiflung. Wo befinden Sie sich denn nun?

Luther:

Wahr ist's, ein frommer Mönch bin ich gewesen, und so streng meine Ordensregeln gehalten. Ist je ein Mensch in den Himmel gekommen durch Möncherei, so wäre ich auch hineingekommen. Wenn ich noch länger Mönch geblieben wäre, hätte ich mich zu Tode gemartert.

GdS: Sie sind nicht im Himmel?
Luther:

Man muß die Christen ermahnen, ihrem Haupte Christus durch Strafen, Tod und Hölle nachzufolgen.

GdS: Sie sind freiwillig in der Hölle?
Luther:

Es ist gar nicht einmal ausgemacht, ob wirklich alle Seelen aus dem Fegefeuer herauswollen. Die wahre Reue sucht die Strafe.

GdS:

Die Katholische Kirche machte zu ihrer Zeit ein großes Geschäft mit Reliquien. So besaß Ihr Kurfürst Friedrich der Weise Windelfetzen des Christuskindes, Strohhalme aus der Krippe und gar Tropfen der Muttermilch Marias. Auch der Ablasshandel florierte. So konnte man sich bei Kirchenraub für 9 Dukaten freikaufen. Mord kostete etwas weniger.

Luther:

Es ist gewiss, dass sobald Geld im Kasten erklingt, auch Geldgier und Gewinnsucht vermehrt werden.

GdS:

Kam daher Ihr Wandel vom asketischen Mönch zum gutsituierten Familienvater und ehrbaren Bürger, der von Jahr zu Jahr dicker wurde? Der Kurfürst hat Ihnen später sogar das leerstehende Kloster, ein schlossähnliches Gebäude, geschenkt. Wie haben Sie ihn gegen die Bauern unterstützt?

Luther:

Ich schrieb die Abhandlung: „Teure Vermahnung an alle Christen, sich zu hüten vor Aufruhr und Empörung“.

GdS:

Welche Position haben Sie da eingenommen?

Luther:

Die Fürsten dieser Welt sind Götter, das gemeine Volk ist der Satan.

GdS:

Und wenn das Volk von tyrannischen Herrschern unterdrückt wird? Sie haben mal in jungen Jahren gesagt: „Wenn jemandes Vermögen vertan werden muss, dann ist es das des Fürsten. Denn ein Fürst sein und nicht bis zu einem gewissen Grad auch Räuber sein, ist entweder gar nicht oder kaum möglich.“

Luther:

Es ist besser, wenn Tyrannen hundert Ungerechtigkeiten gegen das Volk verüben, als dass das Volk eine einzige Ungerechtigkeit gegen die Tyrannen verübt.

GdS:

Aber wollte nicht der Gott, an den Sie glauben, den Armen Gerechtigkeit widerfahren lassen?

Luther:

Erst am Jüngsten Tag wird Gott die Sünder strafen und den Gläubigen Gerechtigkeit widerfahren. Im Hier und Jetzt gibt es keine Erlösung. Man muss die Dinge nehmen, wie Gott sie geschaffen hat – einschließlich Fürsten, Kaiser und Päpste. Der einfache Christ hat nicht das Recht, Dinge zu verändern.

GdS:

Aber den Papst wollten Sie doch abschaffen. Darf das Volk da nicht aktiv werden?

Luther:

Deutschland musste vom Papismus befreit werden, aber das war Sache der Fürsten. Für das Volk gilt: „Darum hab acht auf die Obrigkeit .... so halt du stille mit Hand, Mund und Herz.“

GdS:

Die Fürsten konnten mit Ihnen zufrieden sein.

Luther:

Ich schrieb auch noch „Von weltlicher Obrigkeit, wie weit man ihr Gehorsam schuldig sei“.

GdS:

Gehorsam?

Luther:

Gott hat den Menschen sowohl das Reich Gottes unter Christo als auch das Weltreich unter der Obrigkeit verordnet, der Christ muss sich daher dem weltlichen Schwert unterordnen. Die Welt ist wie sie ist, gottgewollt. Den Christen steht nicht zu, sich dagegen aufzulehnen. Im Jenseits wird ihnen Gerechtigkeit widerfahren.

GdS:

Sie riefen in dem Schreiben „Ermahnungen zu Frieden auf die zwölf Artikel der Bauernschaft in Schwaben“ die Aufständischen zur Ruhe auf. Galt dieser Friedensaufruf auch für die Fürsten?

Luther:

Ich bin der Meinung: es ist besser, dass alle Bauern erschlagen werden als die Fürsten und Obrigkeiten und zwar deshalb, weil die Bauern ohne Gewalt von Gott das Schwert nehmen: Deshalb gebührt den Bauern keine Barmherzigkeit, keine Geduld, sondern der Zorn und Unwillen Gottes.

GdS:

Wollten Sie wirklich, dass die Bauern getötet werden?

Luther:

Ich sagte zwar damals, dass die weltliche Obrigkeit ihre Macht und Gewalt nicht ausnutzen, sondern Gnade beweisen soll. Aber ich rief auch den Adel auf, die ausgebeuteten Bauern zu würgen, zu stechen, heimlich und öffentlich, wer da kann, wie man einen tollen Hund totschlagen muß.

GdS:

Fühlen Sie sich am Tod der Bauern und Handwerker schuldig?

Luther:

Prediger sind die größten Totschläger..... Ich, Martin Luther, hab im Aufruhr alle Bauern erschlagen, denn ich hab sie heißen totschlagen; alle ihr Blut ist auf meinem Hals. Aber ich weise es auf unseren Herrn und Gott, der hat mir das zu reden befohlen.

GdS:

Gut, gut. Kommen wir zu einem erfreulichererem Thema, das unsere Leser auch brennend interessiert. Martin Luther und die Frauen. Wie stehen Sie zu dem weiblichen Geschlecht?

Luther:

Die größte Ehre, die das Weib hat, ist allzumal, dass die Männer durch sie geboren werden.

GdS:

Na ja, eine hohe Meinung von den Frauen haben Sie nicht, das ist bekannt. Ich hörte, sie trauten den Frauen durchaus zu, mit einem männlichen, dämonischen Wesen im Schlaf sexuell zu verkehren. Und auch deren Verbrennung als Hexen auf dem Scheiterhaufen befürworteten Sie.

Luther:

Wer mag alle leichtfertigen und abergläubischen Dinge erzählen, welche die Weiber treiben. Es ist ihnen von der Mutter Eva angeboren, dass sie sich äffen und trügen lassen.

GdS:

Trotzdem haben Sie sich entschlossen zu heiraten. Wie haben Sie ihre Auswahl getroffen?

Luther:

Ich heiratete eine entlaufene Nonne, Katharina von Bora. 1525 war das, wir feierten ein rauschendes Fest.

GdS:

Während die Bauern verreckten? - Warum haben Sie, ein ehemaliger Mönch, nun geheiratet?

Luther:

Ich habe den Wunsch meines Vater nach Nachkommen erfüllen wollen.

GdS:

Ah ja. Als gehorsamer Sohn mussten Sie diesem Wunsch natürlich nachkommen. - Ich hörte, es gab da noch einen Grund ...

Luther:

Nun ja, die Ehe ist Heilmittel gegen geschlechtliche Zügellosigkeit und Hurerei.

GdS:

Waren Sie wenigstens verliebt?

Luther:

Ich war nicht verliebt und nicht in Leidenschaft, aber ich liebte meine Frau.

GdS:

Was sagen Sie zu der hohen Scheidungsrate in unserer Zeit?

Luther:

Ein Weib ist bald genommen, aber sie stets lieb haben, das ist schwer.

GdS:

Sie hatten mit ihrer Frau viele Kinder, mindestens 9 sagt man.

Luther:

Frauen werden mit der Mutterschaft zum Werkzeug Gottes.

GdS:

Hatten Sie bei so vielen Geburten nicht Sorge um das Leben ihrer Frau?

Luther:

Der Tod im Kindbett ist nichts weiter als ein Sterben im edlen Werk und Gehorsam Gottes. Ob die Frauen sich aber auch müde und zuletzt tot tragen, das schadet nichts. Lass sie nur tot tragen, sie sind darum da.

GdS:

Was halten Sie allgemein von Sexualität?

Luther:

Darum hat die Maid ihr Punzlein, dass es dem Manne ein Heilmittel bringe.

GdS:

Dann war Sexualität wichtig für Sie. Waren Sie da nicht sehr vom guten Willen ihrer Frau abhängig? Sie waren als vorbildlicher Pfarrer doch sicher ein treuer Ehegatte?

Luther:

Will die Frau nicht, so komm' die Magd!

GdS:

Oh, das hätte ich nicht von Ihnen gedacht!

Kommen wir zum Thema Kindererziehung: Als vielfacher Vater können Sie unserer Leserschaft sicherlich gute Ratschläge geben. Was war ihr Motto?

Luther:

Bei der Kindererziehung muss der Apfel neben der Rute liegen.

GdS:

Sie halten also körperliche Züchtigung für ein brauchbares Mittel. Auch in der Bibel steht bei den Sprichwörtern: „Erspar dem Knaben die Züchtigung nicht, wenn du ihn schlägst mit dem Stock, wird er nicht sterben. Du schlägst ihn mit dem Stock, bewahrst aber sein Leben vor der Unterwelt.”
Aber wie weit darf man gehen, wenn das Kind nun absolut nicht gehorchen will?

Luther:

Ein toter Sohn ist besser als ein ungezogener.

GdS:

(Schluck) Äh ...dann gehen Sie sogar weiter als die Bibel!

Wechseln wir das Thema. Als Deutschland 1530 kurz vor einem Glaubenskrieg stand, blieben Sie kompromisslos. Wollten Sie den Krieg nicht zu verhindern suchen?

Luther:

Unsere Sache ist es nicht, künftige Kriege vorauszusehen, sondern einfältig zu glauben und zu bekennen. Wird ein Krieg draus, so werde er draus, wir haben genug getan.
In solch einem Krieg ist es christlich, zu würgen, rauben, brennen und alles zu tun, was schädlich ist. Es ist in Wahrheit auch ein Werk der Liebe. Sprich ein Credo und das Vaterunser und zieh dann vom Leder und schlage drein in Gottes Namen.

GdS:

Auch in einer anderen Sache waren sie kompromisslos. Sie haben den Juden zwar zugestanden, nicht am Tod Jesu Schuld zu sein. Aber als die Juden sich nicht zum Christentum bekehren wollten, sondern gar einige versuchten, Sie zum Judentum zu bekehren, wurden Sie zornig. Ich hörte, Sie schrieben ein Buch "Von den Juden und ihren Lügen", ein etwa hundert Seiten umfassendes Werk, in dem Sie beinahe die gesamte Palette an Anschuldigungen gegen die Juden vorbrachten, wie man sie im Mittelalter kannte.

Luther:

Ich hatte mir wohl vorgenommen, nicht mehr, weder von den Juden noch wider die Juden zu schreiben. Aber weil ich erfahren, das die elenden heillosen Leute nicht aufhören auch uns, das ist die Christen an sich zu locken, hab ich das Buch ausgeben lassen. Damit ich unter denen gefunden werden, die solchem giftigen Gebaren der Juden Widerstand geleistet und die Christen gewarnt haben, sich vor den Juden zu hüten. Ich hatte nicht gemeint, dass die Christen sich von den Juden narren lassen, in ihr Elend und Jammer zu treten. Aber der Teufel ist der Welt Gott, und wo Gottes Wort nicht ist, hat er gut machen.

GdS:

Wie wollten Sie denn nun mit dem jüdischen Volk verfahren?

Luther:

Ja, was wollen wir Christen nun tun mit diesem verworfenen, verdammten Volk der Juden? Erstens soll man ihre Synagogen oder Schulen mit Feuer anstecken und, was nicht verbrennen will, mit Erde überhäufen und zuschütten. Zum anderen soll man auch ihre Häuser zerbrechen und zerstören. Zum dritten soll man ihnen alle ihre Gebetbücher nehmen. Zum vierten soll man ihnen verbieten, bei uns öffentlich Gott zu loben, zu danken, zu beten, zu lehren, bei Verlust des Leibes und Lebens. Fünftens soll man den Juden das freie Geleit auf der Straße ganz untersagen. Sechstens soll man ihnen den Wucher verbieten und ihnen alle Barschaft und Kleinodien in Silber und Gold nehmen. Siebtens soll man den jungen, starken Juden und Jüdinnen Flegel, Axt, Spaten, Rocken und Spindel in die Hand geben und sie ihr Brot verdienen lassen im Schweiße des Angesichts ..."

GdS:

Ein Vorläufer des Konzentrationslagers? Haben die Nazis sich mit Recht auf Sie berufen? Auch ein Drittel der evangelischen Pastoren Deutschlands in der Nazi-Zeit ließen sich von der nationalsozialistischen Botschaft überzeugen. In diesem Sinne wurde 1932 auch die Glaubensbewegung Deutscher Christen DC gegründet.

Luther:

Juden sind Kinder des Teufels, die stehlen, morden und ihren Kindern das gleiche beibringen.

GdS:

Sie haben bis zu ihren Lebensende immer wieder die Juden beschimpft.

Luther:

Ich wetterte aber auch gegen Pfaffen, Türken und Sektierer.

GdS:

Sie waren davon überzeugt, dass der Teufel immer mehr Einfluss auf die Erde bekommen werde. Wie schon viele vor ihnen, verkündeten auch Sie den baldigen Weltuntergang. Sie hatten auch ein genaues Datum parat, nämlich Ostern 1545. Wir leben immer noch. Was sagen Sie dazu?

Luther:

$(%"=$%/

GdS:

Ich glaube, die Leitung wird schlechter. Zum Schluß noch ein Frage: Woher nehmen Sie alle Ihre Weisheiten?

Luther:

Die Heilige Schrift ist die einzige Quelle des Glaubens.

GdS:

Vielen Dank für dieses Interview und noch einen angenehmen Aufenthalt. Wo immer Sie sich gerade befinden ...


Noch ein Hinweis für Skeptiker, die absolut nicht an Channeling glauben wollen. Das Interview basiert auf Original-Zitaten Luthers [1], die den Historikern (auch den theologischen Historikern) vorliegen. Und immer noch gibt es viele, viele Lutherkirchen... - und das, obwohl Luther meinte: „Man soll sich nicht Lutherisch nennen."

Zum krönenden Abschluß ein Zitat Albrecht Dürers, als er nach Luthers Entführung zur Wartburg annahm, Luther sei tot: „O Gott, ist Luther tot, wer wird uns hinfort das heilige Evangelium so klar vortragen! Ach Gott, was hätte er uns noch in zehn oder zwanzig Jahren schreiben mögen.“ Er hat geschrieben ...


Quelle:

[1]  Fast sämtliche Luther-Zitate sind einem Artikel der PM History 98004 (Schöpfung/Martin Luther) entnommen.


Copyright 1999 - 2000, Der Humanist
Heike Jackler
letzte Änderung: 10/00