Medientipps & mehr... 18. - 25. August 99
Noch'n Tipp? Kommentare, Reviews und anderes bitte per E-mail an Heike Jackler.  

Review: Jesus von Nazareth - Rebell oder Messias?  (Phoenix / 15.8.99)

Da wurde die Sendung aus der Reihe Himmel, Hölle und Nirwana - Die großen Erlöser als Film angekündigt, der sich der historischen Gestalt Jesu nähert und Licht in das Dunkel bringt.
Was kam, war aber eine Verklärung der Jesugestalt gewürzt mit wissenschaftlicher Unredlichkeit. Da wurde zwar festgestellt, dass anhand der Bibel Jesus wohl kaum in seinem angeblichen Geburtsort Bethlehem zur Welt gekommen, sondern in Nazareth, wo er auch aufgewachsen sei. Woher der Autor dann aber wußte, dass Jesus dort "wahrscheinlich" auf einer Großbaustelle wie sein Vater gearbeitet habe, bleibt schleierhaft.
Statt bei der Ermordung der "unschuldigen Kinder" durch Herodes bei den historischen Tatsachen zu bleiben - es gibt keinerlei geschichtlichen Hinweis dafür - wird rhetorisch geschickt gefragt: "Die Kindermorde - nur Legende?" Als ob der Sprecher es so nicht akzeptieren wolle.
Die Wunder, die Jesus vollbracht haben soll, werden fast ohne Skepsis beschrieben.
Aber den Vogel schoss der Autor mit dem "Turiner Grabtuch" ab. Das Tuch, dass mittlerweile auch der Vatikan als Fälschung betrachtet, soll, - wie kürzlich wissenschaftlich "bewiesen" (lt. Sendung), aus der Zeit Jesu stammen. Es gibt zwar neuere Untersuchungen anhand von Pollenabdrücken und gegensätzliche wissenschaftliche Statements: Hier aber bereits von "Beweis" zu sprechen, ohne die Zuschauer über die näheren Einzelheiten bzw. gar andere Meinungen aufzuklären, muss man einfach unredliche Verdummung nennen.

Fazit: Der Autor wollte nicht Licht ins Dunkel bringen, sondern durch Verdunkelung die Gestalt seines Helden verklären.


Wieviele Talkshows erträgt der Mensch?

Diese Frage muss man sich stellen, denn Talkshow Nummer 13 und 14 treten an, um den Deutschen ihr Hirn zu zermatschen. Oliver Geißen und Ricky Harris heissen die neuen Tratschonkel im Mittagsprogramm. Diesmal sind es also Männer, die das meist weibliche Publikum begatten ...ähm beglücken sollen. Und jetzt Achtung! Die neuen Formate sollen weg vom Schmuddel Image, hin zu ernsthaften Konfliktlösungen und Versöhnungen. Ein Schauspieler (Geißen) und ein ehemaliger Homeshopingverkäufer (Harris) als Seelenklempner. Warum studieren Psychologen eigentlich? Wir freuen uns jedenfalls auf Themen wie:
- Hilfe! Mein Goldhamster ist schwul.
- Meine Freundin ist Friseuse und ich fahre Manta.
- Männer die früher mal Frauen waren, die früher mal Männer waren und jetzt
lesbisch sind.

Oliver Kalkofe, warum hast du uns verlassen? Wir wollen die Mattscheibe wieder, damit diese Sendungen nicht ungestraft davon kommen. Kalkman hilf!!!  (Frank Welker)

 

 Mittwoch, 18. August 99

11.00 Uhr        3 SAT
Teufelsangst und Liebeszauber

Sternstunde Philosophie. Gespräch mit dem Theologen Herbert Haag.

Mit seinem Buch 'Abschied vom Teufel' erregte Herbert Haag Anfang der 70er Jahre gewaltiges Aufsehen. Nicht weniger heftig waren die Reaktionen, als er in den 80er Jahren von der Bibel her eine neue Sicht auf Liebe, Sexualität und Ehe öffnete. Schließlich plädierte er in den 90er Jahren für die Freiheit der Christen und forderte darum radikal den Abschied von der Kleruskirche. Der ehemalige Professor für Altes Testament an der Universität Tübingen ist eine der großen Figuren des Schweizer Katholizismus.     [Quelle: wdr.de]   60 min

Während die Geistlichen jetzt allenthalben über die Angstmacherei der Endzeitpropheten schimpfen (wer echter und wer falscher Prophet ist, bestimmt schließlich die Kirche), bekräftigt der Papst die Existenz von Hölle und Fegefeuer. Das Geschäft mit der Angst gebührt allein der Kirche.

Nachdem die Jesuiten gerade die Hölle für abgeschafft erklärten, verkündet der Papst, es gebe aber das Fegefeuer. [Ätsch!]
Nach den Worten von Papst Johannes Paul II. gibt es nicht nur das Paradies und die Hölle, sondern auch das Fegefeuer. Dieses sei kein realer Ort, erläuterte der Vertreter Gottes. Das Fegefeuer sei eher als Seelenzustand nach dem Tod zu verstehen. Es erwarte diejenigen, die im Moment des Todes zwar eine "Öffnung zu Gott" vollzogen, diese aber nicht vollständig erreicht hätten. - Also etwas für Unentschlossene. Eine Last Minute-Reise ins Paradies, aber mit einem klitzekleinen Umweg durchs Fegefeuer. Erlebnisreisen sind schließlich "in".  - Um aus dem Fegefeuer herauszukommen, könnten die Gebete der Lebenden helfen. "Jede Spur vom Bösen muss eliminiert, jede Deformation der Seele korrigiert werden." - Wann wird der Ablasshandel wieder eingeführt? Tetzel, ich hör' dich trapsen. -
Nach den Worten des Papstes existieren auch Paradies und Hölle, allerdings ebenfalls nicht als reale Orte. Die Verdammnis sei mit einem Zustand des Unglücks, das Paradies mit einem Zustand der Glückseligkeit vergleichbar. Es befinde sich nicht "zwischen den Wolken".
Die Jesuiten vor wenigen Wochen in ihrer Wochenzeitung: "Es ist nicht Gott, der den Menschen zur Hölle verdammt, es ist der Mensch, der sich selbst zur ewigen Verdammnis verurteilt." Sie bedauerten, dass die Kirche in der Vergangenheit allzu sehr bestrebt war, die Gläubigen mit dem Bild einer brennenden Hölle in Schrecken zu versetzen. Aufatmen wäre dennoch verfrüht: Der Jesuiten-Orden ergänzte, dass die Hölle ein Zustand der Verdammnis ist und somit immer noch schlimm genug: "Die tragische Wahrheit ist es, dass es der Mensch ist, der die Hölle erschafft."
[Quelle:
Spiegel Online, 5. August 99]

Was für ein fürchterlicher Quirl aus Volksverdummung, Aberglauben, gemischt mit ein wenig Aufgeklärtheit. (Oder Abgebrühtheit.)

22.00 Uhr        WDR
Dracula - die Geschichte des Blutsaugers
Die großen Rätsel
. Die Dokumentation verfolgt die archetypische Vorstellung von Vampiren und Untoten von der Antike über das Mittelalter bis zu ihrem Platz in der Psyche des modernen Menschen. Ein Film über die Unmöglichkeit, den Tod zu akzeptieren. [Quelle: BWZ, 32/99]   45 min

 

 Donnerstag, 19. August 99

21.00 Uhr        ARD
Religion und Geschäft
Thema u.a. bei Kontraste: Marienerscheinung im deutschen Lourdes.    45 min

Hier geht es um die jüngste Inflation der Marienerscheinungen im saarländischen Marpingen Der ARD/ZDF Videotext berichtete hierzu am 13.8.99:

Der Trierer Bischof Hermann Josef Spital geht auf Distanz zu den vermeintlichen Marienerscheinungen im saarländischen Marpingen. Spital kündigte an, eine Prüfung der Vorgänge zu veranlassen. Die öffentlichen Gottesdienste müssen sich streng an die Vorgaben des Ortspfarrers halten. Es waren nach Polizeiangaben wieder mehrere tausend Menschen zu einer angeblichen Marienerscheinung gekommen. Drei Frauen berichteten zum achten Mal seit dem 17. Mai über eine Erscheinung Marias.

23.00 Uhr        ARD
Wenn die Irrtümer verbraucht sind
Kinder der Welt.
Wir leben im "Jahrhundert des Kindes". Vor fast zehn Jahren unterzeichneten fast alle Staaten - bis auf USA und Somalia - das Übereinkommen über die Rechte des Kindes. Trotzdem werden viele Verbrechen an den Kindern begangen: Sie leiden Hunger, sterben an leicht zu behandelnden Krankheiten. Sie arbeiten als Sklaven in Steinbrüchen und Teppichfabriken. Sie werden vertrieben.  45 min

In Somalia, das das Übereinkommen zum Schutz der Kinder nicht ratifiziert hat, und in anderen afrikanischen Ländern wird noch ein weiteres Verbrechen an Mädchen begangen. Sie werden verstümmelt - mit Rasierklingen, Messern, Glasscherben, unter den schlimmsten Umständen. In manchen Familien wird "nur" die Klitoris abgeschnitten. In Somalia wird meist eine Totalbeschneidung der Genitalien vorgenommen. Die Mädchen werden anschließend zugenäht.

Buchtipp: Waris Dirie, "Wüstenblume". Das somalische Modell beschreibt in diesem Buch ihr Leben als Beschnittene.

 

 Freitag, 20. August 99

22.15 Uhr        ARTE
Gegen das Vergessen

Porträt-Reihe. Christine Hakim - Iran. 
Beispiel für Artikel 18 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte: 'Jeder hat das Recht auf Religionsfreiheit'. Christine Hakims Vater wurde im Iran wegen seiner Zugehörigkeit zur Bahai-Religion hingerichtet. Seitdem werden die Bahai-Anhänger immer stärker verfolgt. In Paris setzt sich Christine Hakim unermüdlich dafür ein, daß die Welt davon erfährt.   5 min

 

 Samstag, 21. August 99

20.50 Uhr        ARTE
Richard Löwenherz - Kreuzzug ins Abenteuer
Sphinx - Geheimnisse der Geschichte. 
Als großer Gegner von Sultan Saladin im Heiligen Land schreibt er Weltgeschichte. Richard Löwenherz - König von England. Den größten Teil seines Lebens verbringt er gegen König Philipp von Frankreich auf dem Schlachtfeld. Als Meistertaktiker und Meistertäuscher führt er fast 30 Jahre einen unerbittlichen Krieg. Auch in scheinbar ausweglosen Situationen gelingt ihm der Sieg gegen den übermächtigen Feind. Als Kreuzfahrer im Heiligen Land erntet er unsterblichen Ruhm. Enorme Summen steckte er in dieses Unternehmen, seinen Kronschatz ebenso wie den sagenhaften Normannenschatz, den er auf Sizilien in seinen Besitz bringen kann. Doch Jerusalem hat Richard Löwenherz nie betreten. Seine Heimkehr, die Verhaftung in Österreich und die Gefangenschaft auf verschiedenen Burgen, die er erst gegen die Zahlung von 150.000 Mark Silber verlassen darf, sind eng verknüpft mit der Geschichte um seinen bösen Bruder Johann.  [Quelle: wdr.de]      50 min

Eine Zusammenfassung der Geschichte der Kreuzzüge bietet unser Projekt "Kreuzzüge".

20.15 Uhr        Pro 7
Brubaker
Gefängnisdrama,
USA 1980. Der Beamte Brubaker soll die Leitung des Gefängnisses Wakefield übernehmen, dass für seine Haftbedingungen verrufen ist. Die Häftlinge werden misshandelt und von korrupten Beamten an Fabriken verliehen. Brubaker will sich aus erster Hand ein Bild machen und geht inkognito in den Knast. Als er mit seinen Erlebnissen an die Öffentlichkeit geht, stößt er auf Widerstand. Die verantwortlichen Politiker wollen keine Aufklärung. - Die Geschichte des engagierten Gefängnisleiters ist wahr. Thomas Murton deckte 1971 in einem als vorbildlich geltenden Knast massive Menschenrechtsverletzungen auf. Dafür wurde er entlassen. [Quelle: TV Today]   122/160 min

 

 Sonntag, 22. August 99

8.30 Uhr        Phoenix
Unter dem Himmel von Amsterdam
Fromme Huren, neue Mönche, falsche Kirchen
:  In Amsterdam wurden in den letzten 20 Jahren 50 Kirchen geschlossen, verkauft und abgerissen. Es scheint, als sei die Grachtenstadt gottlos. Die Realität sieht jedoch anders aus: Prostituierte entdecken den Glauben, Drogenabhängige gründen eigene Gemeinden, Afrikaner mieten ehemalige Garagen für geistbewegte Gottesdienste und wer Zeit und Geld hat, mietet sich einen privaten Theologen... [Quelle: Phoenix-Videotext]      30 min

Hier geht's nach Amsterdam: amsterdam.nl

11.03 Uhr        HR 2 RADIO
Der zahnwehhafte Schmerz, dass Gott fehlt
Die Zukunft der ReligionPapst Paul der VI. hat den Bruch zwischen Evangelium und Kultur als das "größte Drama dieser Epoche" bezeichnet und von einem Schaden für beide Seiten gesprochen. Jahrhunderte lang standen Kunst, Kultur auf der einen Seite, und Kirche und Glaube auf der anderen Seite in produktiver, vielfältiger Beziehung. Heute aber ist ein Bruch zu verzeichnen: Religions- und Gottlosigkeit in künstlerischen, kulturellen Zusammenhängen und Kulturlosigkeit in kirchlich-religiösen Zusammenhängen. Bleibt dies das letzte Wort einer Bilanz im Verhältnis von Kultur und Kirche am Ende dieses Jahrhunderts? [Quelle: HR-Hörerinfo]   27 min

Ein Faltblatt mit allen Autoren und Themen der 20-teiligen Sendereihe kann man  hier als *RTF-Datei bekommen. Die Beiträge der gesamten Sendereihe erscheinen als Taschenbuch im echter-Verlag Würzburg.

17.05 Uhr        NDR 4 RADIO
Suppe, Seife, Seelenheil
Die Heilsarmee.    25 min

Die Heilsarmee (The Salvation Army) ist eine zu den Freikirchen gehörende, überkonfessionelle Gemeinschaft. Sie wurde 1878 von William Booth gegründet. Er war ihr erster "General". Von London breitete sich die Heilsarmee innerhalb von fünf Jahren auf allen Kontinenten aus. Sie sieht ihre Aufgabe darin, Menschen praktisch zu helfen und das Evangelium nahezubringen. Die Armee ist nach straffem militärischen Vorbild organisiert; es gibt Uniformen, Fahnen und ein Rangsystem. Die "Kriegsartikel" enthalten eine freiwillige Verpflichtung zur Alkohol-, Drogen- und Tabakabstinenz.  [Quelle: Kompaktlexikon Religionen, Rüdiger Hauth (Hrsg.)]

Und eine eigene Homepage hat die Armee Gottes natürlich auch: Heilsarmee.de

17.30 Uhr        ARD
Die Exorzisten
Ein Leben mit dem Teufel.  Ein Großteil der Exorzisten wirkt im Verborgenen. Ihr eigenes Leben ist dramatisch, gespenstisch, unglaublich. Der ständige Umgang mit dem Teufel hinterlässt tiefe Spuren an ihrem Körper. Viele von ihnen sind frühzeitig gealtert, wie der Franziskanerpater Candido Amantinti in Rom oder Pater La Grua in Palermo, der die Exorzisten seiner Diözese betreut. Der Film steht vor dem Hintergrund dieses Phänomens, vor allem in Italien, und zeigt das dramatische und nicht ungefährliche Leben der Exorzisten. Ihr Wirken fordert zu einer theologischen, pastoralen und medizinischen Reflexion und Stellungnahme heraus. [Quelle: wdr.de30 min

Das Leben der Exorzisten soll gefährlich sein? Wohl weil sie dem Teufel begegnen? Gefährderter sind da wohl die Opfer:

Spätestens seit dem Tod der Studentin Anneliese Michel aus Klingenberg am 1.7.1976 wurde deutlich, dass sich die Diskussion um den Teufel nicht auf die "Weltanschauung" beschränken darf, die womöglich nur von Theologen vermittelt werden könnte. Vielmehr müssen auch psychologische und medizinische Gegebenheiten einbezogen werden. Die 23jährige starb an extremer Unterernährung, nachdem zwei katholische Priester mit Genehmigung des Bischofs von Würzburg ein Jahr lang versucht hatten, ihr durch Gebete, Beschwörungen und Gesänge den Teufel auszutreiben. Mediziner hatten zuvor bei der jungen Frau ein epileptisches Anfallsleiden und eine Psychose diagnostiziert, offenbar ausgelöst durch Aggressionen gegen den streng religiösen Vater und eine gestörte sexuelle Entwicklung. Anneliese Michel wähnte sich jedoch "sühnebesessen". Eltern, Geschwister und Freunde übernahmen diese Selbsteinschätzung und lehnten nach anfänglicher angemessener Therapie weitere ärztliche oder psychiatrische Behandlung ab. [Quelle: Skeptiker, 3/99]

Der Theologe Herbert Haag ("Abschied vom Teufel") meinte im Skeptiker 3/99: "...meine ich, dass ein Exorzismus für die psychische Verfassung eines Menschen noch nie etwas dauerhaft Gutes bewirkt hat. Ich bin vielmehr sicher, dass vielen Menschen erst eingeredet wird, sie seien besessen. Denn seltsamerweiser hat noch nie ein im traditionellen Verständnis nicht-gläubiger Mensch den Verdacht geäußert, vom Teufel besessen zu sein."

20.15 Uhr        3 SAT
Humanismus am Oberrhein
Ein Reiseweg zur Renaissance.  
Über die Alpen kam die Renaissance bereits um die Mitte des 15. Jahrhunderts. Die vor allem aus Italien stammenden Geistlichen des Baseler Konzils brachten neue Ideen an den Oberrhein. Aber erst im 16. Jahrhundert kam die Wende, die bis in unsere Zeit wirkte: Mit der Erfindung des Gießinstruments und der beweglichen Letter durch Johannes Gutenberg wurde die Medienrevolution des Buchdrucks ausgelöst. Sie demokratisierte Bildung und Wissen, Voraussetzung für Humanismus und Aufklärung und die politische Macht des Bürgertums.
Drucker wie Amerbach und Froben gaben die Werke der Humanisten und Reformatoren heraus. An hervorragender Stelle stand Erasmus von Rotterdam, der kritische Katholik, der sich dennoch nicht der Reformation anschloss.
Es waren zwei Humanisten, die dem Narren zu Ansehen verhalfen: Sebastian Brandt und Erasmus von Rotterdam. Brandts 'Narrenschiff' und 'Das Lob der Torheit' von Erasmus verweisen satirisch und übertreibend auf die Widersprüchlichkeiten des bürgerlichen Charakters. Zur Fasnacht wird der Narr jedes Jahr zu neuem Leben erweckt. [Quelle: wdr.de]     45 min

0.05 Uhr        ARD
Die Grube
Doku-Drama.
Deutschland 1995.  Es ist August 1941. In Bjelaja Zerkow, 70 km südlich von Kiew, werden 900 Juden erschossen. Durch ein Versehen bleiben 90 Kinder am Leben. Der protestantische und der katholische Kriegspfarrer sowie ein Berufsoffizier legen über mehrere Instanzen Beschwerde gegen die unmenschlichen Zustände ein, in denen die Kinder gefangen gehalten werden. Dies setzt in der Hierarchie der deutschen Wehrmacht ein Verfahren in Gang, in dem schließlich jeder Einzelne innerhalb der organisierten Gesellschaft der Armee seinen Teil dazu beiträgt, dass die Kinder 'ordnungsgemäß' getötet werden. [Quelle: wdr.de90 min

 

 Montag, 23. August 99

14.15 Uhr        ZDF
Das Mallorca-Komplott
Doku: Geheimfahrten im Mittelalter.
In der Doku geht es um den Templer-Orden.  45 min

 

 Dienstag, 24. August 99

20.15 Uhr        ZDF
Anja - schwanger mit 16
Recht: Wie würden Sie entscheiden.  
Ein Flirt hat für die 16jährige Anja dramatische Folgen: sie ist schwanger. Da sie gerade erst ihre Ausbildung begonnen und sich nicht ihre Zukunft verbauen will, scheint eine Abtreibung der einzige Weg. Da sie minderjährig ist, benötigt sie die Zustimmung der Mutter. Doch die stellt sich als gläubige Katholikin quer. Anja will die Erlaubnis vor Gericht erstreiten.    45 min

Infos zu der Ratgebersendung: www.zdf.de/ratgeber/recht

Fachkundige Hilfe bei Schwangerschaftskonflikten bietet u.a. Pro Familia.

22.00 Uhr        WDR
Ein Haufen toller Hunde
Kriegsdrama. "The Hill"
, GB 1964. Eine Gruppe Gefangener erlebt in einem Internierungslager die Hölle. Ein brutaler Feldwebel jagt die Gefangenen immer wieder mit schwerem Marschgepäck einen Hügel hinauf. Als einer der Häftlinge an den Strapazen stirbt, sieht ein Leidensgenossen (Sean Connery) rot. - Aufwühlende Anklage gegen die Unmenschlichkeit des Militarismus. [Quelle: TV Today  120 min

22.25 Uhr        3 SAT
Der Mönch und die Hexe
Drama,
F 1987.   Frankreich im 13. Jahrhundert: Der Dominikanermönch Etienne de Bourbon zieht, angetrieben von einem fanatischen Eifer, von Dorf zu Dorf, um gegen die Ketzerei vorzugehen. In einem kleinen Ort wird er auf Elda aufmerksam, eine Frau, die allein im Wald lebt und von den Dorfbewohnern als Heilerin anerkannt wird. In ihrem festen Glauben an die Kräfte der Natur kann Etienne noch keine Hexerei erkennen. Sein Mißtrauen gegen ihre unorthodoxe Haltung läßt ihn jedoch nicht ruhen. Tatsächlich beobachtet er eines Nacht Elda, wie sie an einem Gedenkstein einen Kult zelebriert. - Sensibler und historisch genauer Debütfilm der Truffaut-Mitarbeiterin Suzanne Schiffman. [Quelle: wdr.de95 min

Mehrere Texte zum Thema Hexenverfolgung (vor allem rund um Luxemburg) findet man bei Die Atheistenseite.

23.00 Uhr        N 3
Die Geschichte der Dienerin
SF-Drama,
BRD/USA 1989. Ein Blick in die Zukunft: Fruchtbare Frauen tragen die Kinder reicher Elitemenschen aus. - Romanverfilmung von Volker Schlöndorff.    105 min

Irgendwann in naher Zukunft, irgendwo in einem nicht ganz so fernen Land, dessen Grenzen hermetisch abgeriegelt sind; ein Übertreten würde tödlich enden. Es herrscht Krieg und es heißt, dieses totalitäre Land seien vormals die Vereinigten Staaten von Amerika gewesen. Das pseudobiblische „Gilead“ ist eine klinische, sterile Republik, streng militaristisch aufgezogen. In ebensolchen Trainingscentern werden junge Frauen auf ihre Fruchtbarkeit hin selektiert und sodann in einer Ausbildung dazu getrimmt, den meist unfruchtbaren Hausherinnen der Oberschicht die ersehnten Kinder zu gebären. Dienerinnen nennt man schlichtweg diese Gebärmaschinen, die keinerlei Anspruch auf ein eigenständiges Leben haben. Können auch sie nicht mehr gebären, drohen Kolonie oder Exekution.
Kate (Natasha Richardson) ist eine von ihnen. Nachdem ihr Ehemann erschossen und ihre Tochter entführt wurde, nahm man ihr Namen, Identität und Biographie, entindividualisierte sie für den gottgebenen Dienst am Vaterland. Als sie die harte Zuchtanstalt durchlaufen hat, wird sie in die weißgetünchte, gute viktorianische Stube des Kommandanten Fred (Robert Duvall) und dessen herrischer Frau Serena Joy (Faye Dunaway) geschickt, um für den erwünschten Nachwuchs zu sorgen. Von nun an heißt Kate Offred, da sie zu Fred/of Fred gehört. Freds erklärtes Kommandantenziel ist es, das Land vom Abschaum zu befreien, wenngleich er im einschlägigen Etablissement „Jesebel“ ein und aus geht, wo just jener Abschaum zu Hause ist. Die qualvollen Zeremonien indes zeigen keinerlei Anzeichen einer Schwangerschaft, und da die Zeugungsunfähigkeit des Kommandanten nicht ans Tageslicht geraten darf, steht hierfür dessen Chauffeur Nick (Aidan Quinn) ein, mit dem Kate/Offred eine kleine Liebelei verbindet. Nick, der Widerständler, ist es schließlich auch, der Kate/Offred zur Flucht verhilft, nachdem sie sich am Kommandanten blutig gerächt hat. Die Freiheit aber, die sie in den von den Rebellen kontrollierten Bergen erwartet, ist eine von ungewisser Gestalt: „Ich weiß nicht, ob das hier das Ende für mich ist – oder ein neuer Anfang...“
...
Volker Schlöndorff bezeichnet die von ihm routiniert und wie stets hochprofessionell inszenierte Auftragsarbeit THE HANDMAID’S TALE als „eine wichtige Stilübung für mich“: Als der Film in Deutschland im Februar 1990 herauskommt, auf den 40. Internationalen Filmfestspielen Berlin als offizieller Wettbewerbsbeitrag uraufgeführt, im Zoo-Palast teils ausgebuht und von der Kritik größtenteils negativ aufgenommen wird, da ist Schlöndorff gedanklich längst weiter, bei den Vorbereitungen zu seinem nächsten, sehr persönlichen Projekt, der ambitionierten Verfilmung von Max Frischs Roman Homo Faber.
(Thilo Wydra: Volker Schlöndorff und seine Filme)
Das Drehbuch zu THE HANDMAID’S TALE schrieb der britische Dramatiker Harold Pinter auf der Vorlage von Margaret Atwoods gleichnamigen Roman (dt. Titel: Der Report der Magd). Obwohl Schlöndorff Pinters Drehbuch in Zusammenarbeit mit Margaret Atwood überarbeitete, war der Regisseur mit dem Ergebnis nicht zufrieden. Der Film läßt zuviel weg und endet, als Konzession an das naive US-Publikum, mit einem halbwegs versöhnlichen Ende. Schlöndorff: „Ich schob diese Auftragsarbeit ein, um Geld zu verdienen. Keine sehr gute Idee, wie sich herausstellte, denn diese GESCHICHTE DER DIENERIN lag mir nicht, trotz Pinter und Duvall.“
1984, ein Jahr vor der Veröffentlichung von Margaret Atwoods Roman, erschien in den USA ein ähnlich gelagerter Stoff von Suzette Haden Elgin: Native Tongue (dt. Titel: Amerika der Männer, 1987), der 1987 unter dem Titel The Judas Rose: Native Tongue II (dt. Titel: Die Judasrose, 1990) fortgesetzt wurde. Ein Querschnitt aus beiden Klappentexten:
„Die Not der unterdrückten Frauen in einem erzkonservativen Männerstaat schildert dieser Roman: Die USA im 23. Jahrhundert. Den Frauen wurden alle Rechte entzogen, die sie sich im 20. Jahrhundert erkämpft hatten. Es ist ihnen untersagt, gehobene Berufe auszuüben, ohne Einwilligung des Ehemanns Geldgeschäfte zu tätigen oder sich einer ärtzlichen Behandlung zu unterziehen.
Den Frauen der berühmten Linguisten-Dynastien geht es nicht anders. Auch sie werden von den Familienchefs wie Haustiere gehalten und eingesetzt. Den Frauen und ihren Kleinkindern fällt die schwierige Aufgabe zu, Kontakte mit den verschiedenen raumfahrenden Rassen herzustellen und auszubauen, mit denen die Erde Handelsbeziehungen pflegt. Allein das Gehirn von Kleinkindern im vorsprachlichen Alter ist noch formbar genug, um die fremdartigen Denk- und Sprachmuster von Außerirdischen zu erkennen und sie in eine Menschensprache zu übersetzen, um später als Dolmetscher tätig sein zu können.
Diese Beschäftigung mit verschiedenen fremdartigen Sprachen ist zugleich die große Chance der Frauen, sich wenigstens einen Rest von Freiheit und Selbstachtung zu bewahren: Sie entwickeln die Kunstsprache Ladaan, die von Männern nicht verstanden wird.
Der katholischen Kirche sind derlei Umtriebe Häresie. Sie gewinnt in Schwester Miriam Rose eine Expertin, die das Vertrauen der aufmüpfigen Frauen erschleichen und solcher Insubordination auf den Grund gehen soll, damit der Eiterherd bekämpft, die Vorherrschaft der Kirche gesichert und die Macht des Patriarchats erhalten werde.“
Beide Romane von Suzette Haden Elgin sind im Heyne-Verlag erschienen.
(Christian Barduhn)

1.00 Uhr        ARTE
Fiesta
Drama
, Frankreich 1995. Der 16jährige Rafael soll auf Wunsch seines Vaters direkt von der Schule in den Krieg. Er soll 1936 im Spanischen Bürgerkrieg gegen die Kommunisten kämpfen. Sein Oberst ist der sadistische Masagual, der das Schlachten wie eine Fiesta feiert.     104 min

 

 Mittwoch, 25. August 99

10.10 Uhr        DLF     RADIO
Ein kleiner Klaps hat noch niemandem geschadet
Diskussion
. Kindesmisshandlungen in Deutschland.

23.15 Uhr        WDR
Goldland
Abenteuer
, D 1995.  El Dorado, der Mythos und das Trugbild vom goldenen Mann, lockt bis heute Desperados und Hungerleider in die Urwälder am Amazonas; wilde Kerle, die träumerisch, rauschhaft und brachial ans Werk gehen auf der Suche nach dem gelben Schatz. Das ist eine Geschichte von sympathischen Verrückten und Halsabschneidern, von elender Schufterei und verzweifelter Lebensgier und von einem Match, das am Ende immer die anderen gewinnen. Und es geht auch um den Weg des Goldes, das aus den Tiefen der Erde Amazoniens gekratzt wird, um am Ende unter der Erde in den Tresoren der Banken zu verschwinden. Von einem Versteck ins andere. - "Goldland" ist Fakt und Fiktion, Authentizität der Menschen und Orte und zugleich erfundene Geschichte.   [Quelle: wdr.de]     80 min


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