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Review: "Kids"- Ein gefährlicher Film?
(19. August, ARD)

Es ist sicher kein Zufall, dass sich die konservative ARD mit "KIDS" anfreunden konnte und den Film bereitwillig im Nachtprogramm ausstrahlte. Er gibt im wesentlichen ihr Weltbild wieder. Ich will im folgenden erläutern, warum der Film KIDS scheitert und inwiefern er gefährlich ist, auch wenn es ihm angeblich nur darum geht, die Realität zu dokumentieren. Zunächst weise ich darauf hin, dass für mich bei einem Film (und das ist auch auf andere ähnliche künstlerische Produkte anwendbar) zwei Merkmale entscheidend sind:

1. Wirkung nach Intensität und Art
2. Realismus und logische Konsistenz

Ein guter Antikriegsfilm zum Beispiel schafft es, über verschiedene emotionale Elemente ein beklemmendes Kriegsszenario zu schaffen, das zur gleichen Zeit realistisch ist. Elem Klimows "Komm und Sieh", der leider nur im russischen Original mit Untertiteln existiert, ist hier wiederum ein gutes Beispiel: Ohne Filmmusik oder Star-Schauspieler schafft es dieser Film, quasi-dokumentarisch den Kriegsalltag in der Sowjetunion im II. Weltkrieg, die Vernichtung der Zivilbevölkerung eingeschlossen, einfzufangen. Dabei werden auch Details nicht vernachlässigt, so besteht der Filmton nach dem Einschlag einiger Bomben in der Nähe des Protagonisten eine Weile nur aus einem hohen Pfeifen, was auf die ohrenbetäubende Wirkung der Bomben hindeutet und die Atmosphäre zusätzlich verstärkt. Man wird es nach dem Sehen eines solchen Films sehr viel schwerer haben, an "gerechte Kriege" zu glauben. Deshalb ist er in jeder Hinsicht empfehlenswert, er ist intensiv und realistisch zugleich.

Wie schneidet aber nun Larry Clarks "KIDS" (dessen Drehbuch angeblich von einem 19-jährigen geschrieben wurde, wobei der Umfang der Revisionen unklar ist) in Hinblick auf die zwei genannten Merkmale ab? Behandeln wir zunächst Punkt 1, die Wirkung. Zweifellos zählt KIDS zu den Filmen, die man nicht so schnell vergisst. Die Kameraführung, die Beleuchtung, die schnellen Szenenwechsel, die offenen, vulgären Dialoge: Dies alles hebt sich vom Kinostandard ab, es löst intensive emotionale Reaktionen aus, die wiederum zu einer entsprechend verstärkten Erinnerung führen. Es steht ohne Zweifel fest, dass die Intensität des Films groß ist. Aber auf welche Weise wirkt er? Was für ein Weltbild wird durch diesen Film unterstützt?

KIDS enthält einige Sex-Szenen und auch sehr "offene" Gespräche über Sex. Dies provoziert in der Tat das extrem konservative Publikum, und progressive Kräfte, auch in der Form linker Bewegungen, haben den Film nicht zuletzt deshalb gelobt. Bereits in der Eingangsszene geht es um Sex. Vom harmlosen Küssen geht ein junges Paar über zum Sex. Aber Sex wird hier nicht etwa als lustvolles Zwischenspiel behandelt, sondern als ein schmerzhaftes Eindringen. Zunächst überredet der Junge das Mädchen auf verantwortungslose Weise zum ungeschützten Geschlechtsverkehr, dann wird dieser dargestellt, ohne jede Lust beim Mädchen. Bereits hier hat ein junges, unerfahrenes Mädchen den Eindruck, dass der erste Sex zwangsläufig etwas Schmerzhaftes sein muss, dass Jungen primär darauf abzielen, es "rumzukriegen", und dass es wohl am besten ist, mit all dem noch etwas zu warten, bis "der Richtige" gekommen ist ("true love waits").

Das asoziale Verhalten der Jugendlichen zieht sich durch den gesamten Film. Es bezieht sich nicht nur auf ihr Sexualverhalten, sondern auf ihr gesamtes Verhaltensspektrum. Die absichtlich stets vulgäre Sprache soll diesen Eindruck noch verstärken, gelten doch "Obszönitäten" auch bei aufgeklärten Menschen als unfein. Nachdem der Hauptdarsteller Telly ins Treppenhaus gespuckt hat (durch das unmittelbare Aufeinanderfolgen wird dieses Verhalten wiederum unbewusst direkt mit der Sex-Szene assoziiert) und kurz bevor er seinem Kumpel Casper begegnet, zoomt die Kamera auf einen Comic. Fast, als wolle Clark damit sagen, woher das asoziale Verhalten Tellys herrührt: Seht her, die Verroher unserer Jugend.

Nun fällt beim Gespräch zwischen Telly und Casper auf, dass diese sehr offen über Sexualität und ihre persönlichen sexuellen Erfahrungen reden. Auf den Realismus dieser Szenen komme ich später noch zu sprechen. Wie gesagt benutzen sie dabei intensiv Vulgärsprache. Peinlich scheint ihnen, außer vielleicht Homosexualität, nichts zu sein. Hier wird also sexuelle Offenheit gleichzeitig mit sexueller Promiskuität und asozialem Verhalten assoziiert. Später kommt zu diesem Gesamtverhaltensbild noch eine Szene brutaler Gewalt, als die beiden Jungen sich an der Verprügelung eines Schwarzen beteiligen.

Beim Gespräch zwischen Telly und Casper wird noch die subtile Propagierung einer weiteren beliebten These aus dem konservativen Lager deutlich, die ich als "Anfix-Hypothese" bezeichnen möchte. Demnach sind sexuelle Neigungen weder angeboren noch das Ergebnis frühkindlicher Prägung. Sie verändern sich im Gegenteil kontinuierlich mit den eigenen Erfahrungen und der Rezeption bestimmter externer Stimuli. Schon ein milder Stimulus reicht aus, um neugierig auf eine bestimmte Erfahrung zu machen. Die Person sucht dann zunehmend nach härteren Stimuli ("wo das alles hinführt" lassen die konservativen Vertreter meist offen, aber natürlich meinen sie: Sexualmord, Kindesentführung, Schulmassaker). Öffentlichkeitstauglich ist diese Ansicht besonders im Zusammenhang mit Kinderpornographie. Hierzu ein Zitat der Rechtsanwältin Marianne Grahl aus Berlin aus einer Expertenanhörung zu Kinderpornographie am 29. Maerz 1990:

"Kinderpornographie darf nicht auf den bisher strafbaren Bereich beschränkt bleiben. Der Missbrauch von Kindern setzt schon früher an, z.B. durch Videoclips für Strumpfwerbung oder Autowerbung mit 10- bis 12jährigen Mädchen in sexuell ausgerichteten Positionen oder in einer Anzeige zur Werbung von Bundeswertpapieren im Stern, in der zwei Säuglinge mit ihren unterschiedlichen Geschlechtsteilen deutlich gezeigt werden. Bereits derartige alltägliche Beispiele müssten erfasst werden, zumal auch die Täterforschung zeigt, dass mit dem Konsum derartiger 'zufälliger' Bilder begonnen wird und sich dann wie bei einer Sucht hin zu härteren Darstellungen steigern kann."

Bis dann am Schluss die Tat steht. Die Hypothese lässt sich auch auf das alltägliche Sexualverhalten übertragen, wie der Film KIDS zeigt. Filmdialog: "Sie war so jung, das hat mich geil gemacht." - Casper: "Ja, irgendwie will ich immer mehr, diese komischen Phantasien." Später auch: ".. hat an Behinderten rumgebaggert, jetzt fährt er nur noch drauf ab". Es ist nicht Sache dieser Filmkritik, die Anfixhypothese zu widerlegen. Es soll hier lediglich aufgezeigt werden, dass der Film sie eindeutig unterstützt.

Durch die quasi-dokumentarische Darstellung werden solche impliziten Behauptungen schnell als wahr aufgefasst, der Konsument weiss später gar nicht mehr, dass seine Meinung aus einem fiktiven Spielfilm stammt. Er wird die Hypothese emotional für richtig halten, weil für ihn das Erlebnis des Films ähnlich wirkt wie das tatsächliche "dabei gewesen sein". Es ist schwer, die daraus resultierenden Vorurteile abzubauen.

Als Beispiel dafür, wie gefährlich solche subtilen Wirkungsmechanismen sein können, sei die Darstellung von Autounfällen in Serien und Spielfilmen genannt. Schon bei leichten Unfällen, aber auch bei so ziemlich jedem Absturz oder dem Fahren gegen eine Wand kommt es zur Explosion, das Fahrzeug brennt vollständig aus (bzw. die Protagonisten laufen rechtzeitig heraus, schlagen die Arme ueber den Kopf und können gerade noch der Explosionsdruckwelle entkommen). Tatsächlich explodieren Autos natürlich so gut wie nie, wenn überhaupt Flammen entstehen, dann brennt das Fahrzeug in der Regel sehr langsam aus. Die Filmdarstellung hat aber dazu geführt, dass Opfer insbesondere schwerer Unfälle häufig in Panik das Fahrzeug verlassen und eventuelle Mitreisende schwerverletzt zurücklassen, sich auch nicht zurück ins Fahrzeug trauen, sondern irgendwo geduckt auf die Explosion warten, die nicht kommt. Dies erschwert im Notfall die Hilfe ungemein, und Polizisten und Rettungssanitäter haben sich schon mehrfach über die TV-Darstellung beschwert. Hier kostet Effekthascherei tatsächlich Menschenleben.

Zurück zu KIDS. Wie schon gesagt stellt der Film das Verhalten Jugendlicher unterer sozialer Schichten konsequent als asozial dar. Dabei gibt es noch mehrere unerwähnte Szenen, die emotional sehr stark wirken können. Im Zuge der Pädophilie-Hysterie dürfte das zum Beispiel auf die Begegnung zwischen den beiden Jungen und dem kleinen Mädchen gelten, das vor der Tür ihrer Freunde steht. Man rufe sich die Anfixhypothese ins Gedächtnis und den fiktiven Jugen, der "an Behinderten rumgebaggert" habe und "jetzt nur noch darauf abfahre". Wenn diese Perversen (man beachte den Populismus der Behinderten-Erwähnung im Film, die bewusst auf die Erzeugung von Ekelgefühlen beim Zuschauer abzielt) schon vor Behinderten nicht halt machen, was hält sie dann davon ab, auf immer jüngere Mädchen "umzusatteln"?

In den Gesprächen zwischen "rumhängenden" Mädchen (Schulen gibt es in Larry Clarks Welt offenbar nicht) wird dann wieder die "True Love Waits" Ideologie des Films deutlich: "Erst gross vorsülzen, dann verpisst er sich" (Jessica). Dem entspricht auch das tatsächliche Verhalten der männlichen Darsteller. Im ganzen Film werden faktisch alle fokussierten Mädchen reingelegt. Wer immer noch glaubt, Clark tue dies alles nur, um Realismus zu erzeugen, sei auf die Szene hingewiesen, in der Telly seinem neuesten "Opfer" Darcy gegenüber behauptet: "Ich habe heute morgen sofort an dich gedacht." Es folgt eine Rückblende auf den schmerzhaften Geschlechtsverkehr von Telly mit einem anderen Mädchen. Dass Clark seine einzige Rückblende im ganzen Film einsetzt, um hier die Verlogenheit und Untreue seines Hauptdarstellers noch zu verstärken, sollte zu denken geben. Eine solche Szene bleibt besonders bei unerfahrenen weiblichen Zuschauern im Gedächtnis (wie ja auch der ganze Film aus oben erwähnten Gründen). Kommt es dann zur ersten Freundschaft und der Junge sagt, er habe nur an sie gedacht, ruft dies unter Umständen sofort die entsprechende Erinnerung hervor.

Den Höhepunkt des Films bildet die AIDS-Gefahr, auf deren einfache Beseitigung mit Kondomen an keiner Stelle (!) hingewiesen wird. Als ob dies nicht genug wäre, beschreiben die Mädchen die Entjungferung "als ob Du aufgeschlitzt wirst". In einer Schwimmbad-Szene dann kommt es beinahe zur Vergewaltigung, eine Szene, die lustvoll hätte sein können, wird zur Bedrohung ("Hör endlich auf!" - "Komm endlich"). Und schliesslich, bei der Entjungferung der wohlerzogenen Darcy durch das personifizierte Ekel Telly sehen wir wieder in ein schmerzhaftes Gesicht, und Darcy beginnt schliesslich zu weinen. Sie hatte gerade den ersten Sex, und das hat sie nun davon: Sie ist vielleicht schwanger oder hat AIDS oder beides, droht das Vertrauen ihrer Eltern zu verlieren, wurde betrogen und brutal halbvergewaltigt und hat dabei üble Schmerzen erlitten.

Somit wird Geschlechtsverkehr in KIDS assoziiert mit Schmerzen, Krankheit, Tod, Ekel, Ausbeutung, Untreue, Verlogenheit, Rassismus, Intoleranz, Gewalt, Vergewaltigung, Armut und Perversion. Clark, der seinen Film selbst als "mahnende Fabel" verstanden wissen will, bietet eine klare Alternative, die er im Film gelegentlich aufblitzen lässt und deren genaue Interpretation er den "progressiven" christlichen Jugendgruppen überlässt, die den Film sicherlich vorführen. Religiöse Motive blitzen gelegentlich auf: Ein Mädchen "verkörpert alles, was so heilig an Jungfrauen ist." Zu einem Jesuskreuz: "Das ist unser Erretter." Darin steckt die Mahnung, vorgetragen von einem Kind: "Was wollte Jesus von uns? Und wie leben wir jetzt?"

Aber deutlicher wird die Moral der Fabel in der Person Darcys. Sie ist ein sehr gutaussehendes Mädchen, das auf viele weibliche Zuschauer eine vorbildhafte "Barbie"-Wirkung haben könnte. Wohlerzogen, aber nicht wohlbehütet lässt sie sich auf den üblen Telly ein. Und prompt wird ihr der erste Geschlechtsverkehr zum Verhängnis. Das ist der eigentliche rote Faden, und die Aussage ist klar: Die Eltern müssen sich mehr um ihre Kinder kümmern, sonst geben diese ihren unnatürlichem Geschlechtstrieb nach, der unterdrückt werden muss. Passiert das nicht, führt es zu Promiskuität, AIDS, Drogensucht. Die wahren, alten Ideale sind verkommen und verrottet, alte christliche Werte ("der coole Erretter") müssen praktisch umgesetzt werden. Sex ist nicht nur die Konsequenz der Verrohung, sondern teilweise auch ihre Ursache, und er macht abhängig wie Drogen ("Ich kann nur noch daran denken"). Er brutalisiert langfristig über Triebsteigerung.

Wegen seiner Wirkung ist KIDS ein gefährlicher Film (zur Bedeutung der Sexualrepression s. www.violence.de). Über die Monogamie als Alternative zur Benutzung von Kondomen möchte ich an dieser Stelle nicht viele Worte verlieren, es sei aber gesagt, dass nach einer Studie im American Scientist (Juli/August 1997) jemand auch nach 100 One-Night-Stands unter Benutzung von Kondomen besser vor AIDS geschützt ist als jemand, der monogam lebt und sich des HIV-Status seines Partners nicht sicher ist.

Wenn KIDS aber die Situation der Jugendlichen realistisch wieder gibt, hat er nicht trotz seiner enorm schädlichen Wirkung eine gewisse Existenzberechtigung, insofern er als Mahnung zur Besserung der Zustände dienen könnte? Zunächst ist hier schon ein Denkfehler, denn die Ursache wird ja in KIDS primär in dem Verlust von Werten und Tugenden gesehen, er kann also nicht wirksam eingesetzt werden, um auf die tatsächlichen Ursachen aufmerksam zu machen. Aber die Frage bleibt, ob die Darstellung an sich realistisch ist.

Meiner Einschätzung nach ist dies nicht der Fall. Die Jugendsprache wurde zwar erstaunlich gut getroffen, was sogar in der Übersetzung noch bemerkbar ist. Und auch Gewalt, elterliche Vernachlässigung und Drogenkonsum findet man in unteren sozialen Schichten und bei CSU-Politikern in der Tat überdurchschnittlich häufig. Aber wenn es um die offene Diskussion sexueller Themen und auch die sexuelle Betätigung an sich geht, stelle ich den Inhalt des Films in Frage. Nicht nur, weil er konkreten wissenschaftlichen Forschungsergebnissen widerspricht, nach denen sexuelle Betätigung und sexuelle Offenheit tatsächlich ein Inhibitor für asoziales Verhalten ist (s. www.violence.de) und ich mich eher auf wissenschaftliche Forschungsergebnisse verlasse als auf fiktive Filmszenarien. Nicht nur, weil Menschen, die asoziales Sexualverhalten an den Tag legen (insbesondere Vergewaltiger) nach verschiedenen Studien weniger Pornographie konsumieren als die jeweiligen Kontrollgruppen, weniger sexuell aufgeklärt sind, größere Schwierigkeiten haben, über sexuelle Themen zu reden, aus sehr "wohlbehüteten" religiös-konservativen Elternhäusern kommen und teilweise noch nicht einmal wissen, wie Babies gezeugt werden. Nicht nur, weil gerade diese Asozialen beim Thema Sexalität schnell verlegen werden, das Thema wechseln wollen, rot werden.

Ich halte den Film KIDS auch deshalb für unrealistisch, weil er meinen ganz persönlichen Erfahrungen widerspricht. Ich habe verschiedene Schulen besucht und verschiedene Schulsysteme kennengelernt, inklusive ihrer Schüler. Auf einer dieser Schulen hatte ich mit ungebildeten, vulgären, brutalen Mitschülern aus niederen sozialen Schichten zu tun, Jugendliche, die aus armen und/oder kaputten Elternhäusern stammten. Es war schwierig, irgend etwas herzustellen, was dem Begriff Freundschaft auch nur nahe kam. Und das Thema Sex war etwas, was man vielleicht mal in versaute Witze oder Bemerkungen implementierte, aber kaum ernsthaft diskutierte, geschweige denn in die Tat umsetzte. Die wenigen Ausnahmen waren genau diejenigen, die dem erwähnten Negativprofil nicht entsprachen. An einer höheren Schule dagegen war es genau andersherum. Da wurde offen herumgeknutscht, es wurden (zugebenermaßen meist hinter vorgehaltener Hand) Erfahrungen ausgetauscht und Kontakte geknüpft. Zweifellos würden jedoch die meisten Jugendlichen unterer sozialer Schichten, ganz besonders die brutalsten, unter Eid versichern, dass es sich bei KIDS um einen realistischen Film handelt, zeigt er doch Jugendliche, die genau so sind, wie sie gern sein würden.

Das in KIDS dargestellte Sexualverhalten entspricht somit weder dem wissenschaftlichen Erkenntnisstand noch meinem persönlichen Erfahrungsschatz. Ich halte es daher für korrekt, von einem sowohl gefährlichen als auch unrealistischen Machwerk zu sprechen, das auf einer Ebene mit Propagandafilmen wie denen Leni Riefenstahls anzusiedeln ist. Es mag Menschen geben, die in so etwas noch einen künstlerischen Wert erkennen können. Ich kann das nicht. Wenn wir so etwas wie Jugendschutz in Deutschland brauchen, dann vor solchen Filmen. (EMÖ)


Protest gegen Kürzungen bei Deutscher Welle

Dem Auslandssender Deutsche Welle drohen Kürzungen. Der Internationale Kongress der Vereinigung Europäischer Journalisten zeigte sich besorgt über Pläne der Bundesregierung, Personal und Programmangebot des Senders zu kürzen. Die Journalisten appellierten an den Bundestag, weiterhin die finanziellen Mittel in ausreichendem Umfang zur Verfügung zustellen.

Der deutsche Auslandsfunk sei eine wesentliche Stütze für den Aufbau der Demokratie und der freien Marktwirtschaft in Osteuropa, heißt es in einer Resolution der 160 Delegierten.

[Quelle: ARD/ZDF-Videotext, 15.09.99]


Das Fernsehen liebt er nicht: Johannes Dyba

Die Medien lieben ihn, aber er liebt nicht zurück. Das behauptet ausgerechnet der selbstdarstellungssüchtige Erz- und Militärbischof Dyba. In Talk-Shows präsentiert sich der 70-jährige Oberhirte von Fulda wortgewandt als
altmodischer Moralist und widerborstiger Streiter gegen den Zeitgeist. Nein, man sieht im weißgott nicht an, wie sehr er seine Auftritte im TV verabscheut - hat er doch stets ein Grinsen im Gesicht. Aber der Mann mit dem großen Sendungsbewusstsein nimmt nur Medien-Einladungen an, weil er die Macht des Fernsehens kennt. So eine große Gemeinde erreicht er in den Kirchen nie.

Ansonsten macht Dyba aber gerade die Medien für die Entchristlichung der Gesellschaft mitverantwortlich. Vor allem das Unterhaltungs-Fernsehen mit seinen Zwängen zu Tabubruch und Spektakel, wo christliche Werte - auch
unbequeme wie Selbstbeherrschung, Treue oder Keuschheit - entwertet würden, ist Dyba ein Dorn im Auge. (H.J.)

[Quelle: Frankfurter Neue Presse, 15.09.99]


Was dem Kanzler recht ist, muss Christen billig sein

"Wer schützt die Christen vor Satire?" fragt der Geschäftsführer des Medienverbundes KEP (Konferenz Evangelikaler Publizisten), Wolfgang Baake. Nach dem delikaten Interview in der Erotiksendung Peep mit Gerhard Schröder als Gummipuppe protestierte die Regierung gegen solch dreiste Veralberung. Der Sender RTL entschuldigte sich auch prompt und gelobte Besserung.

Gleiche Schutzräume erwartet Baake nun auch für Christen. Wenn sich Christen dagegen wehren wollten, dass ihre religiösen Überzeugungen in den Schmutz gezogen werden, verweise man gerne darauf, dass Satire "alles"
dürfe. "Der Beitrag war eindeutig als Satire gekennzeichnet" - in dieser Weise argumentierten oft auch die Aufsichtsgremien "Deutscher Presserat" und "Deutscher Werberat". So zum Beispiel kürzlich bei der Stuttgarter Stadtillustrierten "LIFT". Die war mit einem "abscheulichen" Titelblatt erschienen: ein Mann in verfänglicher sexueller Pose und - wie der Gekreuzigte - mit Wundmalen an seinen Füßen.

[Quelle: idea, 10.9.99]


Kirche im Radio ein Quotenkiller: Aber Privatsender brauchen Kirchensendungen für die Lizenz

Wie bringt man die Botschaft vom Glauben rüber, ohne Quotenmord zu begehen? Erster Grundsatz: Man darf nicht sofort auf Jesus kommen, und "Kirche" schon im Titel ist absolut tödlich. So kommen folgende Verkündigungssendungen zustande: "Geistliches Wort" im WDR, "Predigt aktuell" bei FFH sind für die Kirche noch annehmbar. Mit einigen Titeln wie "Worte für den Tag" (SFB),   "Gedanken" (SWR), "Nachgedacht" (Antenne Bayern), "Gedanken zum Auftanken" (christlicher Privatsender "Radio Paradiso"),   "Feels like heaven" (Rockland Radio), "Von nix kommt nix" (Eins live, WDR) haben sendungsbewusste Theologen schon eher Probleme.

Aber: Werbung ist wichtig! Und darum widmete die katholische Rundfunkarbeit zum ersten Mal eine ganze Jahrestagung der Verkündigung im Hörfunk. Titel: "Glaubenswort - Quotenmord?" Die Fragen die da kamen: Darf man Jesus mit Batman vergleichen? Darf der Sponsorenhinweis genausolang sein wie das Glaubenswort?

Deutschland-Radio-Intendant Ernst Elitz - sein Sender ist Branchenführer in puncto kirchlicher Präsenz im Hörfunk - wünscht sich mehr theologische Festigung: "Manche Sprecher erwecken den Eindruck, als hätten sie nur flüchtige Bekanntschaft mit der Bibel gemacht", monierte er vor den versammelten Beauftragten, Sprechern und Redakteuren.   Ein Theologe meinte, in den Sendungen müsste auch Ostern, Pfingsten oder Fronleichnam erklärt werden, damit die Kirchenfernen überhaupt wissen, warum der Tag arbeitsfrei ist. - Als ob wir das nicht wüssten: Ostern ist das Fest der Fruchtbarkeit, also ab auf die grüne Wiese; Pfingsten und Fronleichnam eignen sich auch sehr gut für Frühjahrsausflüge. Nicht zu vergessen der "Vatertag" auf Himmelfahrt. -

Noch gibt es das öffentlich-rechtliche Schutzgebiet, noch muss z.B. das DeutschlandRadio, so Elitz, nicht auf die Quote schielen, noch brauchen viele Privatsender die Beiträge der Kirchen für ihre Lizenz. Doch die Selbstverständlichkeit sei dahin. Der bequemste Weg für die Rundfunkarbeiter wäre es, sich nur des politischen
Rückhalts für das Recht auf Mitsprache zu versichern. - Damit ist wohl die Einflussnahme auch auf andere Sendungen gemeint. -  Der unbequemere Weg müsste dahin führen, dass sich die Sender auch ohne politischen Druck zum Bekenntnis bekennen, weil das Produkt überzeugt. - Die Frage ist nur: Überzeugt es wirklich...? (H.J.)

[Quelle: Rheinischer Merkur, 37/99]


3 SAT "Kultur" statt "Okkult"
Leserbrief zu "Sonnenfinsternis im Okkultkanal 3sat
"

Als Erstes protestiere ich auf das Schärfste dagegen, dass bei Ihnen der Kultursender 3sat „Okkultkanal“ genannt wird! 3sat ist der beste Kultursender, den es hier gibt, und so eine geschmacklose Beleidigung hat er nicht verdient! Er ist seriös und zeigt sehr viele interessante Klassik und andere Sendungen. Neues..., die PC-Sendung, ist für mich am Wichtigsten! Es kann ja mal eine merkwürdige Sendung dabei sein, wie diese „Querdenker"-Sendung mit dem Moderator Franz Alt, die ich aber nicht sah. Solche Sendungen sehe ich mir erst gar nicht an. Wieso beklagen Sie oder Rainer Wiechoczek sich nicht bei 3sat? Nur weil 3sat eine solche Sendung brachte, nennen Sie es gleich „Okkultkanal“? Das ist wirklich sehr unfair und ungerecht! Nennen Sie 3sat nie wieder „Okkultkanal“!

[Andrea Weber, 07.09.99]


Atheisten und Homosexuelle beschimpft
Leser-Review zu Christiansens Talkshow "Sind wir eine Gesellschaft ohne Moral"?

Am Anfang der Sendung wurde über Wirtschaftskriminalität gesprochen. In einem kleinen Film wurden der Ladenschluss am Sonntag, die große Atheistenmehrheit im Osten und Homosexuelle angeklagt! Es ging so schnell! Es kam mir vor, als ob die Atheisten und Homosexuellen auf einer Linie in einem Satz mit der Wirtschaftskriminalität gleich gesetzt wurden! Ich schimpfte sofort mit Recht! Das ist eine elende Verleumdung anständiger Menschen, die keine Religion haben und haben wollen, bzw. anders sexuell ausgerichtet sind. Dieser Film war eine hübsche kleine Hetze gegen die Atheisten und Homosexuellen! Damit haben die auch mich als Atheistin beleidigt!

Dieser Mario ?, (ich weiß den Nachname nicht) der am anderen Ende neben Theo Waigel saß, war viel fürchterlicher als Bischof Dyba! Er sagte fordernd christliche Dinge, machte Bischof Dyba happy, und das Publikum war auch noch auf seiner Seite!

„Heuchler!" von Herta Däubler-Gmelin für Waigel war auch gut. Es überraschte mich. Ich amüsierte mich. Sie haben recht, dass auch die SPD christliche Werte beanspruchen darf wie alle anderen. „Ihnen steht es nicht zu, ... " warfen sie sich fast alle gegenseitig an den Kopf. Fast kam es mir vor, als ob sie sich wie die Kinder aufführten!

Dann, weil es sehr viele Atheisten im Osten gibt, sprach mein Brandenburger Liebling Regine Hildebrandt mit ihrem schnellen schönen Berliner Dialekt, den ich liebe, von Alternativen zum Christentum und Humanismus. Bischof Dyba widersprach sofort, er sehe keine Alternative und wolle keinen Humanismus. Da merkte ich sofort, dass die Kirche Humanismus = Menschlichkeit ablehnt! Es ist sehr gewohnt, aber zu traurig!

Ich verstehe nicht, wieso Sabine Christiansen es zugelassen hat, dass gegen anders lebende Menschen gehetzt wird! Sie hätte auch leicht gegen den Einführungsfilm protestieren und diesem Dyba-Fanatiker widersprechen können! Oder muss sie dann befürchten, dass ihre interessante Talk-Show abgesetzt wird? Das will ich gerne mal wissen! Es wird in allen Fällen bei solchen Themen (bewusst oder unbewusst?) vermieden anzusprechen, dass Demokratie mit dem Christentum und seiner ewigen Moral nicht zusammen passt. Selbstverständlich wird darauf geachtet, dass niemand eingeladen wird, der die Kirchenvergangenheit aufdeckt. Mit der Kirche will der Staat es sich sicher nicht verderben!

[Andrea Weber, 07.09.99]


Liebe Verona

Man muss Deschner recht geben: Ein Pfaffe schämt sich niemals. Er ist sich auch nicht zu schade, sich der Lächerlichkeit preiszugeben. Der Prediger Andreas Link (Alzey) schrieb in einem Offenen Brief, den die Zeitschrift einer Pilgermission  bei Basel abdruckte, an Verona Feldbusch, Ex-Moderatorin des Erotikmagazins Peep: "Liebe Verona, Gott selbst war es übrigens, der zuallererst offen und freizügig über Sex gesprochen hat, noch lange bevor ein Mensch an eine Sendung wie 'Peep' dachte." Link ist traurig, dass so viel und offen über Sex, aber so wenig und versteckt über und mit Gott geredet wird.  "Ich finde, wir sollten einfach wieder mehr über Gott reden, damit wir es nicht verlernen. Und auch wieder mehr mit Gott reden, damit wir erleben, was wirklich Erfüllung ist."

Was dem Mann fehlt, ist wahrscheinlich nur guter Sex. Aber statt in der Praktizierung die "wirkliche Erfüllung" zu suchen, sucht er in der Bibel. Wie er darauf kommt, dass zuerst Gott "offen und freizügig" über Sex sprach? Sein Hinweis: So stehe auf den ersten Seiten der Bibel "Seid fruchtbar und mehret euch!"

[Quelle: idea, 02.09.99]


Was Intendanten so meinen

Der Intendant des DeutschlandRadios Berlin, Erst Elitz, meint, dass Verkündigungssendungen im Rundfunk Teil der "Grundversorgung" im Sinne des Programmauftrages sind.

Der Intendant des SFB, Horst Schättle, sagte, Personen, die christliche Inhalte vermitteln, müssen "auch dahinter stehen". Als prägnante Beispiele nannte er den "legendäre Pfarrer Sommerauer" oder Jörg Zink. "Männer und Frauen dieses Kalibers" hätten auch in Zukunft in den Medien eine Chance, die kirchliche Botschaft zu vermitteln.

Man sieht, die Intendanten der öffentlich-rechtlichen Sender sorgen sich sehr, dass das Religiöse auch weiterhin gut zur Geltung kommt.

[Quelle: ARD/ZDF-Videotext, 06.09.99]


Kirche zeigt Präsens mit Fliege & Co.

Jetzt wissen wir, warum Fliege noch nicht von der Kirche geschasst wurde. Er wurde als Publikumsmagnet für den Stand auf der Internationalen Funkausstellung benötigt, auf der die evangelische Kirche ist zum ersten Mal vertreten war. Mehrmals am Tag dröhnte in der Halle 25 eine Kirchenglocke. Das Publikum stutzte - durch das fremde Geräusch, das nicht in die Atmosphäre passte, gestört. Nein, der Kirche kann man nirgendwo mehr entfliehen. Mit dem Geläut wurde aber nicht zum Gottesdienst gerufen, sondern zu Talks und Informationsveranstaltungen über die kirchlichen Produktionen in den Sendern, deren es ja reichlich - steuerzahlerfinanziert - gibt.
Laut Johanna Haberer, Runfunkbeauftragte des Rates der EKD, habe sich die 100.000 DM-Investition für den Messestand gelohnt, auch wenn aufgrund der lauten Nebengeräusche keine Besinnlichkeit aufkam. "Die Leute bleiben stehen, wenn wir Talkrunden abhalten." Das sei schon Erfolg genug. Nun ja, die Kirche ist bescheiden geworden. Sie sind sonst fast leere Kirche gewöhnt. Da genügt dann schon ein "Stehenbleiben" als Erfolgsmeldung.

In zwei Jahren will die Kirche bei der Ifa - um mehr Besinnlichkeit zu erreichen - ein "archaischeres Konzept" entwickeln. Gedacht wird an einen ruhigen, abgegrenzten Raum. Haberer denkt da an so etwas wie den "fast esoterischen" Stand von Sony: ein in Blau getauchter Raum, ganz eigen und abgehoben, fast wie im Himmel.

Ob die Kundschaft dann nicht nur stehenbleibt, sondern auch den Raum betritt, wird sich zeigen. Fliege jedenfalls wird sich in diesem esoterischen Ambiente sicherlich wohl fühlen und mit dem "Gangster da oben" wunderbar kommunizieren.

[Quelle: taz Berlin lokal, 1.9.99]


Sonnenfinsternis im Okkultkanal 3sat
Ein Review auf die Sendung "Querdenker", ausgestrahlt einige Zeit vor dem Mediengroßereignis

"Querdenker" nennt der Moderator, Franz Alt, seinen mystischen Salatmix aus Ignoranz, und spiritualisierter Anbiederei. Sogar die "bekannteste Astrologin" Madame T. aus Frankreich hält er für kompetent, etwas über die "Gefahren" der Sonnenfinsternis am 11.8.99 auszuplaudern, über die radioaktive Stromquelle der Cassini-Sonde und die bevorstehenden Korrekturmanöver, über Krieg usw.

Ob denn die Sterndeuterin Furcht vor der Sonnenfinsternis habe; aber ja doch, die Dame wird sich in gehörig südlichem Abstand von der Schattenzone aufhalten!

So alt hat selten ein Moderator ausgesehen. Warum müssen wir solches auf der Basis von Gebühren ertragen?

Ergänzung: Betrachtet man das Medienspektakel allgemein, so ist offensichtlich der Schattenwurf eines toten Materieklumpens, nichts anderes ist der Mond, geeignet eine angeblich hochtechnologisierte Gesellschaft hektisch aufzuscheuchen, Eruptionen des Schwachsinns zu erzeugen. Stoßen wir etwa auf den eigentlichen Charakter der verblödeten Massen? Immerhin wollen
Anthroposophen die Finsternis zu geistiger Erneuerung nutzen, als bräuchte die Menschheit die Umnachtung zur Erkenntniserweiterung! Wer auf diesem Wege "geistige Erneuerung" sucht, muß wohl bisher maroden Gedankenpfaden gefolgt
sein.

Nachtrag für alle vergeßlichen Mystiker:

Was blieb denn nun vom Chaos des lidschattenschwer vorgetragenen Szenarios ala Franz Alt und anderer Jenseitigen? Kein Weltuntergang, kein Mir-Absturz in Paris, kein Ausbruch des Dritten Weltkriegs, keine Katastrophe beim swing by der Cassini-Raumsonde! Diese entrückten Prediger des Wahnsinns sitzen in den obersten Etagen der Medien und fabulieren ohne jede Verantwortung. Spiegelbild einer wahrhaft kranken Gesellschaft, die sich auch gefallen läßt, daß nunmehr eine völlig irrelevante Verknüpfung der Sonnenfinsternis mit dem Erdbeben in der Türkei hergestellt wird. Denn hätte auch nur eines
der esoterischen Orakel das Beben vorhergesehen, wäre es nicht die Pflicht gewesen, gezielte und verbindliche Warnungen zu geben? - Stattdessen werden aber wie gewohnt allgemeine Katastrophenbeschreibungen im Nachhinein passend gedrechselt. 

[Quelle: Homepage von Rainer Wiechoczek]


Review: "Sind wir eine Gesellschaft ohne Moral" bei "Sabine Christiansen"

Na - das war aber auch eine Diskussion. Angefangen mit Wirtschaftskriminalität und plötzlich müssen die Schwulen für die Moral herhalten.....
Da freut man sich schon diebisch, wenn Däubler-Gmelin dem Dyba ein "und Ihnen steht es nicht zu hier Blödsinn zu reden" zuwirft - und der arme Dyba weiß schon gar nichts Blödes mehr zu sagen, weil Waigel wirklich nicht zu überbieten ist .... (Demokratie ohne Christentum ist wie ein Fisch ohne Fahrrad zum Tode verurteilt).
Na - und die Ossis sind ja ganz schlimme: "40 Jahre Atheismus haben ihre Wunden geschlagen".

Also nach so einer Sendung fühle ich mich wie auf dem falschen Planeten....
[Johannes, Offene Mailingliste IBKA e.V., 29.8.99]

Das gegen Waigel hingeworfene "Heuchler" von Herta Däubler-Gmelin war auch nicht schlecht. Der Ex-Finanzminister war da gerade ganz pathetisch christlich geworden. Es ging ihr aber wohl nur darum, dass nicht allein die CSU, sondern auch die SPD christliche Werte beanspruchen darf. Wie sich überhaupt alle in der Diskussionsrunde ihre Loyalität zur Kirche gegenseitigt bestätigt haben.

Wann haut denen endlich einmal jemand in einer Diskussion die Vergangenheit der Kirchen um die Ohren. Leider wird so ein Jemand erst gar nicht eingeladen. Christentum und Demokratie - wann gehörte das jemals zusammen. Als ob Hitler nicht auf christlichem Boden gedieh!

Auch ich fühlte mich als Ungläubige nach der Sendung wie auf einem falschen Planeten - oder wie ein Mensch 2. Klasse, der nur durch das Grundgesetz gerade mal so ein Lebensrecht erhält. So ähnlich habe ich Waigel jedenfalls verstanden. (H.J.)


Mehr deutsche Zuschauer für US-Fernsehgottesdienst

Bisher können in Deutschland den populären Fernsehgottesdienst "Hour of Power" aus der "Glaskathedrale" in Garden Grove (Kalifornien) nur einige wenige Zuschauer sehen. Zu empfangen ist es nur über internationale Programme wie Sky oder NBC. Jetzt sollen auch wir in den zweifelhaften Genuss des Predigers Robert Schuller kommen. Ein Verein unter dem Vorsitz des württembergischen Unternehmers Jörg Knoblauch will die Sendung bei einem deutschen Privatsender unterbringen. Schuller würde so fesselnd predigen, dass auch zufällig ins Programm zappende die Sendung zu Ende sehen würden.
Zur Finanzierung müsse jährlich eine halbe bis eine Million Mark Spenden aufgebracht werden. Zum Vorstand des deutschen Vereins gehören auch der Aufsichtsratsvorsitzende der Verlagsgruppe Rentrop, Norman Rentrop (Bonn), und der evangelikale Verleger Klaus Gerth (Asslar bei Wetzlar).

[Quelle: idea, 24.8.99]


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