"Glaube und Kampf" [7. Juli 1940], Soldaten-Beilage zur Wochenzeitschrift für katholische Deutsche "Der Neue Wille", Carolus-Verlag Georg Scholz & Co., Frankfurt am Main, Liebfrauenberg 37.

Glaube und Kampf
Soldaten-Beilage für katholische Deutsche


Dankbarkeit in Gesinnung und Tat

Was wäre das Soldatenleben ohne die alten Märsche, ohne die rauhen Lieder, ohne die Klänge der Musik, wenn Infanteristen, Pioniere oder Artilleristen auf dem Marsche sind. Gewiß, wenn der harte Kampf auf dem Lande, auf dem Meere und in den Lüften tobt, wenn es gilt, in blutigem Einsatz den Feind zu schlagen, dann wird es still. Trommel und Trompete verstummen. Wenn aber der Soldat nach tagelangem Ausharren in stetigem Angriff einige Rasttage hat, lösen ihn die Klänge der Musik im Ruhequartier von dem Schrecken des Schlachtfeldes los, lassen ihn alles Harte und Schwere vergessen und erfüllen ihn mit neuer Kraft. Ein Erlebnis von ganz besonderer Art ist es, wenn bei feierlichen Anlässen die alten und unsterblichen Weisen des Großen Zapfenstreiches aufklingen, wenn das Kommando ertönt "Helm ab zum Gebet!" und die Melodien des Liedes "Ich bete an die Macht der Liebe!" zum nächtlichen Himmel emporsteigen. Dieser Große Zapfenstreich ist das feierliche und erhebende Dankgebet des deutschen Soldaten, geheiligt durch eine ehrwürdige und ruhmreiche Tradition. Sein Vorhandensein beweist, daß im deutschen Soldatentum der Sinn für dankbare Haltung tief verankert ist und daß dieser Dankbarkeit von jeher in großen Stunden der Nation Ausdruck gegeben worden ist.
       Was wir als Deutsche in den vergangenen Wochen und Tagen erleben durften, geht über alles hinaus, was was man sich selbst mit kühnster Phantasie vorstellen konnte. Man müßte schon wirklich kein Herz in der Brust besitzen oder alle Regungen des deutschen Empfindens und Dankes totgeschlagen haben, wenn man angesichts all dessen, was sich seit dem 10. Mai 1910 ereignet hat, angesichts eines dramatischen Gottesgerichts jenseits der Grenzen unseres Vaterlandes nichts verspüren würde von jener Gesinnung und Freude des Herzens, die wir als Dankbarkeit bezeichnen.
       Tiefste Dankbarkeit erfüllt uns angesichts der Entwicklung, welcher dieser uns aufgezwungene Krieg bisher genommen hat, gegenüber dem Führer und Obersten Befehlshaber der Wehrmacht. Nach den Plänen des Schöpfers gestaltet sich die Entwicklung der verschiedenen Völker diese Erde. Wie jeder einzelne Mensch eine seinen Anlagen und Fähigkeiten entsprechende besondere Bestimmung hat, so hat auch jede einzelne Nation ihre von der göttlichen Vorsehung festgesetzte besondere Aufgabe. Das ist eine der tiefsten Erkenntnisse unserer Zeit, und es blieb dem Führer vorbehalten, unerbittlich alle Folgerungen aus dieser Erkenntnis zu ziehen und dem deutschen Volke jenen Platz an der Sonne zu erzwingen, auf den es nach Gottes Anordnung Anspruch erheben kann. Schon als Baumeister einer neuen Staatsidee gehört der Führer der Unsterblichkeit an. Seit 1933 hat er Schritt für Schritt die Ketten zerbrochen, die uns Deutsche für immer einschnüren und fesseln sollten. Wo man glaubte, jetzt gebe es keine Möglichkeit der Steigerung seines Einsatzes und Erfolges mehr, da durften wir erleben, daß das schöpferische Feldherrngenie Adolf Hitlers genau so wie seine staatsbildende Formkraft abermals alle Berechnungen der Gegner zusammenschlug und aller hergebrachten Maßstäbe spottete. Die ganze Welt erkennt es heute, wenn auch teilweise nur widerwillig, an, daß der Führer nun auch als Feldherr seinen Namen für immer in die ehernen Tafeln der Geschichte eingräbt.
[...]
       In unserer Dankbarkeit wollen wir den nicht vergessen, von dem jede gute Gabe herkommt, Gott den Herrn, "in dem wir leben, uns bewegen und sind." Die Präfasson der Messe ist ein ständiger Aufruf zu solcher Dankbarkeit, wenn sie uns täglich zuruft: "Laßt uns Dank sagen dem Herrn, unserem Gott!" Wir wissen, daß die Völkerschicksale in Gottes Händen ruhen, und wir spüren es, daß der Herr den Kampf des deutschen Volkes sichtlich gesegnet hat. Diese Erkenntnis verpflichtet zu tiefer Dankbarkeit gegenüber dem Schöpfer. Es gab einst eine Zeit der tiefsten Dankbarkeit, da die Menschen jedes Werk im Namen Gottes begannen: da man "in Gottes Namen" jeden Morgen an die Arbeit ging, da der Bauer mit einem fröhlichen "in Gottes Namen" den Pflug durch die Furchen führte, da der Handwerker in der Frühe "in Gottes Namen" nach Hammer, Hobel und Kelle griff, da man "in Gottes Namen" jeden Brief begann und ohne die Empfehlung "in Gottes Namen" keine Reise antrat. Die Menschen, die so handelten, waren sich in Dankbarkeit bewußt, daß alle Wege der Menschen zu Gott führen und daß in Gottes Hand nicht nur die die Zukunft des einzelnen, sondern auch der Aufstieg und Niedergang der Völker liegt. Dieser Erkenntnis hat der Führer selbst in unseren Tagen oft in ergreifender Form Ausdruck gegeben, wenn er in entscheidungsschweren Stunden der Nation immer wieder in Bitte und Dank vor dem Allmächtigen stand und uns allen dadurch den Weg zeigte zur Dankbarkeit gegenüber dem ewigen Gott.
[...]
       Wir wollen nicht zu jenen undankbaren Kreaturen gehören, die heute schon vergessen, was ihnen gestern geschenkt worden ist. Wir wollen die große und ernste Zeit, in die Gott uns hineingestellt hat nach den Jahrzehnten des Niederbruchs und der Dunkelheit, [gemeint ist die Weimarer Demokratie!] würdig durchleben. Wir wollen unsere Dankbarkeit gegenüber Gott und Vaterland, die uns mehr ist als eine billige Phrase, unter Beweis stellen durch die Tat unseres Lebens. Wir wollen es in unseren Tagen zutiefst im Herzen empfinden und davon durchdrungen sein, daß nicht der den Sinn der Gegenwart restlos versteht und ihrer würdig ist, der sich bei jedem Erfolge in die Brust wirft und "Siege feiert", sondern jener, den tiefste Dankbarkeit des Herzens dazu treibt, daß er auf dem Posten, auf den ihn sein Beruf und seine Aufgabe heute stellen, alles tut, um seine ihn dort erwartenden Pflichten bis ins kleinste zu erfüllen. Noch ist nicht alles zu Ende. Noch ist der Endsieg nicht errungen. Aber eines sei uns allen schon jetzt ehernes Gesetz: Wir setzen alle Kraft ein, die uns gegeben ist, und verzehren uns in der Liebe und Treue zu unserem Volke und zu dem Manne, der uns Deutsche bis zur gegenwärtigen Stunde durch alle Not hindurch geführt hat. In diesen Tagen der Gegenwart werden die Völker gewogen [!]. Das spüren wir alle. Schon senkt sich die Waagschale zu unseren Gunsten. Aber wir haben sie auch schwer gemacht und alles, was wir besitzen, hineingelegt: unser Glück, unsere Zukunft, unsere Arbeit und nicht zuletzt jenen Herzensdank, der sich in starker Tat für Volk und Vaterland fruchtbar erweisen soll. So sei dies das Geschenk der Heimat an euch Soldaten und zugleich das stärkste Band, das Heimat und Front miteinander verbindet: eine Dankbarkeit, die über Worte und Gefühle hinaus in starker Kraft das Beste leistet für Volk und Vaterland. Eine Dankbarkeit, die Schwerstes meistert und nicht entmutigt wird, wenn neue Aufgaben bevorstehen und neue Opfer gebracht werden müssen. Eine Dankbarkeit, welche die Hände rührt, an Schwierigkeiten wächst und nicht müde wird in Leistung und Treue, bis wir alle einmal, das deutsche Volk in seiner Gesamtheit, Front und Heimat miteinander verbunden, den Dank für den Endsieg emporjubeln dürfen zum ewigen Gott.

Franziskus-Justus Rarkowski,
Kath. Feldbischof der Wehrmacht.


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